Tödlicher Brand in Polen Ermittlungsverfahren gegen "Escape Room"-Besitzer eingeleitet

Nach dem Tod von fünf Jugendlichen in einem "Escape Room" in Polen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen den Besitzer des Betriebs. Sie wirft ihm fahrlässige Tötung vor.

Polizeieinsatz im polnischen Koszalin
Agencja Gazeta/Cezary Aszkielowicz/REUTERS

Polizeieinsatz im polnischen Koszalin


Die Staatsanwaltschaft im polnischen Koszalin hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann eingeleitet, in dessen "Escape Room" fünf Jugendliche gestorben waren. Dem bereits festgenommenen Mann werde fahrlässige Tötung vorgeworfen, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde der Agentur PAP. Er habe es zudem versäumt, für Fluchtmöglichkeiten aus dem Raum im Falle eines Notfalls zu sorgen. Im Falle einer Verurteilung drohten ihm bis zu acht Jahren Haft.

Anwälte des 28-Jährigen sagten polnischen Medien, er sei wegen der Todesfälle am Boden zerstört und habe den Familien der Opfer sein Beileid ausgesprochen. Gleichzeitig weise der Betreiber den Vorwurf der Fahrlässigkeit zurück.

In dem Betrieb des Mannes in Koszalin im Norden des Landes war am Freitagabend ein Feuer ausgebrochen. Fünf 15-jährige Jugendliche wurden dabei getötet, ein 25-jähriger Mann erlitt schwere Verbrennungen. Laut der Obduktion starben alle Opfer an einer Vergiftung durch das Rauchgas Kohlenmonoxid. Es entsteht bei fast allen Wohnungsbränden in großen Mengen.

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MARCIN BIELECKI/EPA-EFE/REX

Das Feuer sei im Vorzimmer ausgebrochen, teilte die Staatsanwaltschaft laut PAP mit. Den Teenagern sei damit der einzige Fluchtweg versperrt gewesen. Nach ersten Erkenntnissen war Gas aus einem Behälter entwichen und hatte sich entzündet. Vor Ort wurden vier gasbetriebene Heizgeräte sichergestellt.

Bei einer ersten Begehung des Gebäudes wurden zahlreiche Mängel festgestellt. "Es war nicht genug Platz für diese Leute in diesem Raum", sagte der oberste Feuerwehrmann Polens, Leszek Suski, laut PAP. Der Raum sei nur etwa sieben Quadratmeter groß gewesen. Heizgeräte hätten zu nahe an brennbaren Materialien gestanden. Zudem seien Kerzen gefunden worden. Die Elektroinstallation sei provisorisch gewesen.

"Die strafrechtlichen Sanktionen müssen sehr streng sein"

Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sprach von einer beispiellosen Tragödie und kündigte weitreichende Konsequenzen an. Die ersten "Escape Game"-Angebote seien von den Behörden geschlossen worden, sagte der Politiker der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) am Sonntag auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz.

Die sofort eingeleiteten landesweiten Kontrollen der rund 1100 Escape-Räume in Polen ergaben ein negatives Bild: Von 178 bereits kontrollierten Geschäften erfüllten laut der Polizei 129 die Brandschutz-Vorschriften nicht. "Die strafrechtlichen Sanktionen müssen sehr streng sein", forderte Innenminister Joachim Brudzinski.

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Brand in Koszalin: Tod im Escape-Room

Bei einem "Escape Game" (Fluchtspiel) versucht eine Gruppe, aus einem abgeschlossenen Raum zu entkommen. Sie muss dafür unter Zeitdruck bestimmte Rätsel und Aufgaben lösen. "Escape Games" haben sich in den vergangenen Jahren in vielen Ländern zu einem Trend entwickelt.

Auch in deutschen Städten werden die Spiele angeboten. Die Feuerwehr in Berlin warnte nun vor Panik und verwies darauf, dass Sicherheitskonzepte vorhanden seien. Für jeden Berliner "Escape Room" gebe es ein individuelles Sicherheitskonzept zum Schutz im Brandfall, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Dabei würden alle möglichen Brandszenarien überprüft.

aar/dpa/AFP



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