Minutenprotokoll Verdächtiger will sich angeblich am späten Abend ergeben

Der mutmaßliche Attentäter von Toulouse ist schwer bewaffnet, seit Stunden verschanzt er sich in seiner Wohnung. Der Mann kündigte erneut an, sich zu stellen - doch dieses Wort hat er schon zuvor gebrochen. Lesen Sie die Ereignisse des Tages im Liveticker nach.
Einsatzkräfte in Toulouse: Stundenlanger Nervenkrieg

Einsatzkräfte in Toulouse: Stundenlanger Nervenkrieg

Foto: Remy de la Mauvinere/ AP

Toulouse - Seit Stunden hat sich der mutmaßliche Attentäter von Toulouse in seiner Wohnung verschanzt. Die Polizei belagert sein Haus in dem ruhigen Viertel Cotê Pavée in der Nähe des Bahnhofs. Eine Zusammenfassung der Lage finden Sie hier.

Die jüngsten Entwicklungen im Liveticker:

+++ Polizei hält Kontakt mit Merah +++

[19.20 Uhr] Laut Staatsanwaltschaft steht ein Elitepolizist in Kontakt mit Mohammed Merah. Der mutmaßliche Serien-Attentäter zeige den Angaben zufolge "keinerlei Reue". Vielmehr bedauere er, dass er nicht noch mehr Menschen habe töten können. Seine Attentate glorifiziere er mit den Worten, er habe "Frankreich in die Knie gezwungen". Der algerischstämmige Mann hatte am Morgen behauptet, er gehöre dem islamistischen Terrornetzwerk al-Qaida an.

+++ Mutmaßlicher Attentäter ohne Märtyrer-Absichten +++

[18.51 Uhr] Der mutmaßliche Serien-Attentäter, der sich seit mehr als 15 Stunden in einem Haus verschanzt, plant offenbar keine Selbstmord-Aktion. Mohammed Merah habe gesagt, "dass er keine Märtyrer-Seele hat, er zieht es vor zu töten und selbst am Leben zu bleiben", sagte der Staatsanwalt von Paris, François Molins, am Abend.

+++ Merah kündigt erneut Aufgabe an +++

[17.40 Uhr] Hält er diesmal Wort? Laut der Staatsanwaltschaft hat der mutmaßliche Attentäter von Toulouse gesagt, er werde sich am späten Abend ergeben. Seine Aufgabe hatte Mohammed Merah zuvor bereits für den Nachmittag angekündigt - und sich dann doch nicht gestellt. Die Belagerung im Wohnviertel hält an.

+++ Bruder des Verdächtigen soll in Netzwerk aktiv gewesen sein +++

[17.07 Uhr] Der Bruder des mutmaßlichen Attentäters war offenbar in ein Netzwerk involviert, das Kämpfer für den Widerstand im Irak rekrutiert hat - das sagte Staatsanwalt François Molins. Der Bruder wurde in den frühen Morgenstunden festgenommen. Der mutmaßliche Attentäter von Toulouse verbarrikadiert sich noch immer schwer bewaffnet in seiner Wohnung, mehr als 13 Stunden nach dem versuchten Zugriff der Spezialeinheit RAID. Die Verhandlungen in dem Wohngebiet dauern an.

+++ Verdächtiger wollte angeblich auch Polizisten töten+++

[16.47 Uhr] Auf einer Pressekonferenz teilten die Ermittler mit, dass der mutmaßliche Attentäter in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion trainiert haben soll. Laut Staatsanwaltschaft gab der Verdächtige zudem an, er habe am Mittwoch einen weiteren Soldaten töten wollen. Der Mann habe außerdem Polizisten erschießen wollen, die er bereits "identifiziert" habe, sagte der zuständige leitende Staatsanwalt François Molins. Ein Renault Clio werde noch gesucht, der wahrscheinlich Waffen und Sprengstoff enthalte. Ein Motorroller sei ebenso wie eine Kamera gefunden worden.

+++ Trauerfeier in Montauban +++

Präsident Sarkozy: "Terroristische Exekution"

Präsident Sarkozy: "Terroristische Exekution"

Foto: LIONEL BONAVENTURE/ AFP

[16.15 Uhr] Nicolas Sarkozy hat den Mord an drei französischen Soldaten als "terroristische Exekution" bezeichnet. Die Militärs wurden getötet, weil sie der französischen Armee angehörten, sagte der Präsident bei einer Trauerfeier in einer Kaserne in Montauban.

In einem Geschäftsviertel in der südwestfranzösischen Stadt hatte der Täter zwei Fallschirmjäger erschossen. Das erste Opfer aus Toulouse war ebenfalls ein Soldat.

Der Täter habe die französische Armee im Visier gehabt, aber die Nation getroffen, so Sarkozy. Die Aufgabe von Soldaten sei der Schutz der Bevölkerung. Einem Soldaten sei der Sinn des Wortes Opfer, des Wortes Pflicht und auch des Wortes Tod bekannt. An der Zeremonie nahmen zahlreiche Spitzenpolitiker teil, darunter der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande.

+++ Verdächtiger soll weitere Tat geplant haben +++

[16.02 Uhr] Der mutmaßliche Serienmörder plante offenbar einen weiteren Anschlag für diesen Mittwoch - das teilte Nicole Yardeni vom jüdischen Zentralrat Frankreichs mit. Präsident Sarkozy habe ihr davon berichtet, sagte Yardeni dem Nachrichtensender BFM. Das geplante Ziel hätte starke Symbolkraft gehabt, Sarkozy habe es aber nicht genauer beschrieben.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf Ermittler, bei dem Ziel habe es sich erneut um einen Soldaten gehandelt.

Fotostrecke

Toulouse: Ausnahmezustand im Wohnviertel

Foto: PASCAL PAVANI/ AFP

+++ Palästinenser-Premier verurteilt Taten +++

[15.50 Uhr] Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad hat sich gegen den Missbrauch der Anliegen seines Volkes durch Terroristen verwahrt. "Es ist höchste Zeit, dass solche Kriminellen aufhören zu behaupten, sie verübten ihre Terrorakte zur Unterstützung palästinensischer Kinder", heißt es in einer schriftlichen Erklärung Fajads, die in Ramallah im Westjordanland verbreitet wurde.

Der mutmaßliche Attentäter von Toulouse hatte gesagt, er wolle den Tod palästinensischer Kinder rächen. "Unser Volk und unsere Kinder verurteilen diesen kriminellen Terrorismus auf das Schärfste", so Fajad.

+++ Sarkozy in Toulouse +++

[15.30 Uhr] Laut "Figaro" ist auch Nicolas Sarkozy nach Toulouse gekommen. Der Präsident besuchte demnach eine Kaserne unweit des Einsatzortes und sprach dort mit den Leitern der Aktion. Sarkozy gab keine neuen Statements ab. Am Vormittag hatte er gesagt, der Terror könne die französische Gesellschaft nicht zerstören. "Wir müssen jetzt zusammenstehen, die nationale Einheit bewahren. Das schulden wir unserem Land."

+++ Anwohner beschreibt Verdächtigen als unauffälligen Nachbar +++

[15.21 Uhr] Mohammed Merah lebte zuletzt völlig unauffällig in dem fünfstöckigen Haus, in dem er sich nun vor der Polizei verschanzt hat. So beschrieb ein Nachbar den mutmaßlichen Attentäter von Toulouse gegenüber TV-Journalisten. "Er war sehr diskret", sagte der Mann.

+++ Sprengstoff im Auto von Mohammed Merahs Bruder gefunden +++

[15.07 Uhr] Die französische Polizei hat Sprengstoff in einem Auto gefunden, das dem Bruder des mutmaßlichen Attentäters von Toulouse gehört. Das berichten die Nachrichtenagentur AFP und die Zeitung "Figaro" unter Berufung auf Polizeikreise in Toulouse. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Zuvor waren der Bruder, dessen Freundin und die Mutter des Verdächtigen in Polizeigewahrsam genommen worden.

+++ Attentäter soll sich zweimal bei Armee beworben haben +++

[14.50 Uhr] Mohammed Merah hat in den vergangenen Jahren offenbar zweimal versucht, der französischen Armee beizutreten. Im Januar 2008 habe er sich in Lille um seine Aufnahme bei den Bodentruppen beworben, sagte Oberst Bruno Lafitte. Die Überprüfung der Vorstrafen habe jedoch eine Ablehnung zur Folge gehabt. 2010 soll Merah es dann bei der Fremdenlegion in Toulouse versucht haben. Dort habe er aber letztlich nicht an den Auswahltests teilgenommen.

+++ Bericht über vermeintliche Festnahme bestätigt sich nicht +++

[14.45 Uhr] Der französische TV-Sender BFM und das Magazin "Le Point" hatten die Festnahme des Verdächtigen gemeldet. Doch die Berichte waren offenbar voreilig, der Innenminister dementiert die Festnahme.

+++ Polizei bereitet sich auf Erstürmung von Wohnung vor +++

[14.12 Uhr] Die französische Polizei bereitet sich offenbar darauf vor, die Wohnung von Mohammed Merah zu stürmen, wenn er sich nicht ergibt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Associated Press. Ein Sprecher der Polizei sagte, der 24-Jährige habe versprochen, sich bis 14.30 Uhr zu stellen. Dem Sprecher zufolge will die Polizei Merah ansonsten mit Gewalt in Gewahrsam bringen.

+++ Präsidentschaftskandidaten fliegen nach Toulouse +++

[13.40 Uhr] Die Trauer um die Opfer der Anschläge von Toulouse lässt die Kandidaten im französischen Präsidentschaftswahlkampf zusammenrücken. Sozialist François Hollande bestieg am Mittwochmittag zusammen mit der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen, der Grünen-Politikerin Eva Joly und dem Bewerber der Splitterpartei DLR, Nicolas Dupont-Aignan, ein Flugzeug. Die Maschine sollte die Politiker nach Toulouse bringen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Präsident Nicolas Sarkozy hatte nach dem Angriff vor einer jüdischen Schule am Montag eine zweitägige Wahlkampfpause verkündet.

Nervenkrieg im Wohnviertel

+++ Polizei hat wieder Kontakt +++

[13.15 Uhr] Nachdem zwischenzeitlich Funkstille herrschte, hat der mutmaßliche Attentäter von Toulouse nun offenbar wieder Kontakt zu den Ermittlern. Das berichtet der TV-Sender France 24.

+++ "Sanft und höflich" +++

[13.00 Uhr] Der Anwalt des Verdächtigen beschreibt den Mann bei BFMTV als sanft und höflich, jedenfalls nicht rigide. Das berichtet die Zeitung "Figaro". Demnach kennt der Anwalt Mohammed Merah seit acht Jahren. Der Verdächtige soll in der Vergangenheit unter anderem wegen Raubes und Fahrens ohne Führerschein in Konflikt mit dem Gesetz geraten sein.

+++ Belagerungszustand in Côte Pavée +++

[12.40 Uhr] Das ansonsten ruhige Wohnviertel Cotê Pavée befindet sich im Belagerungszustand. Den ersten Ring um das Gebäude bilden Polizisten und Spezialkräfte. In 100 bis 200 Metern Entfernung folgen Schaulustige und Journalisten. Die Polizei hat den Zugang zur Rue du Sergent Vigné weiträumig gesperrt.

+++ "Schüsse in der Nacht" +++

[12.28 Uhr] "Wir haben die Schüsse in der Nacht gehört", sagt ein 25-jähriger Anwohner. "Es begann zwischen 3 und 4 Uhr". Der Mann wohnt in einer Villa, keine 70 Meter von dem Gebäudekomplex entfernt, in dem sich der mutmaßliche Serienmörder immer noch verschanzt. Das Gebäude ist fünf Stockwerke hoch, ein gesichtsloser, grauverputzer Funktionsbau mit mehreren Hauseingängen. "Die Wohnungen darin sind billig und klein", sagt eine Anwohnerin.

+++ Verdächtiger soll aus Gefängnis in Kandahar ausgebrochen sein +++

[12.10 Uhr] Der mutmaßliche Attentäter Mohammed M. soll in der Vergangenheit im afghanischen Kandahar im Gefängnis gesessen haben - das sagte der Gefängnisdirektor der Nachrichtenagentur Reuters. Den Angaben zufolge wurde M. Ende 2007 als Bombenleger zu drei Jahren Haft verurteilt. Ihm soll jedoch 2008 während eines Angriffs der Taliban die Flucht gelungen sein.

+++ Polizei bringt Anwohner in Sicherheit +++

[11.48 Uhr] Die französische Polizei hat das Haus, in dem sich der mutmaßliche Täter verschanzt, inzwischen evakuiert. Es handelt sich bei dem Gebäude um ein mehrstöckiges Haus mit mehreren Wohnungen. Die Bewohner saßen seit Beginn der versuchten Stürmung fest. Sie werden laut der Nachrichtenagentur AFP nun psychologisch betreut. Bereits um kurz nach elf wurde eine Gruppe Anwohner in einem Bus aus dem inneren Absperrungsring gebracht, ein zweiter Bus folgt um kurz vor 12 Uhr.

+++ Mutmaßlicher Täter spricht nicht mehr mit Polizei +++

[11.35 Uhr] Die Kommunikation ist abgebrochen: Der mutmaßliche Attentäter von Toulouse und Montauban spricht laut dem französischen Innenminister Claude Guéant nicht mehr mit der Polizei. Zuvor hatte der Mann angekündigt, sich am Nachmittag ergeben zu wollen.

In einem geparkten Auto entdeckte die Polizei weitere Waffen. Guéant gab auf einer Pressekonferenz zudem bekannt, dass es mehrere Festnahmen gegeben habe. Unter anderem seien die beiden Schwestern und Brüder des Mannes sowie die Mutter festgesetzt worden.

Einer der Brüder sympathisiere wie der Verdächtige mit den extremistischen Salafisten. Der mutmaßliche Täter hatte am Morgen eine Waffe gegen ein Telefon eingetauscht. Nach eigener Auskunft hat er in der Wohnung aber weitere Feuerwaffen, darunter eine Kalaschnikow und eine Uzi.

+++ Täter ist identifziert +++

[11.30 Uhr] Der mutmaßliche Serienmörder ist nach Angaben von Präsident Nicolas Sarkozy identifiziert worden. Laut französischen Medien und der Nachrichtenagentur AFP soll es sich um Mohammed M. handeln, einen Franzosen algerischer Abstammung.

Nach einer Unterredung mit Vertretern der jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften sagte Sarkozy, es werde alles getan, damit der Täter sich vor der Justiz verantworte. "Der Terrorismus wird unsere nationale Gemeinschaft nicht zerbrechen", sagte der Präsident. Er warnte vor Rachegedanken und einer Verquickung von Religion und Terrorismus.

+++ Geheimdienst beobachtete Verdächtigen seit Jahren +++

[11.25 Uhr]: Der französische Inlandsgeheimdienst DCRI hat den mutmaßlichen Serien-Attentäter von Toulouse jahrelang beobachtet. Dabei sei aber nie ein Anzeichen dafür entdeckt worden, dass der Mann ein Verbrechen planen könnte, sagte Innenminister Claude Guéant.

hut/ulz/dpa/Reuters/AFP/AP
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