Skandal in Friesland weitet sich aus Polizei durchsucht Impfzentrum Schortens

Seit dem frühen Morgen durchsuchen Beamte Gebäude des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Friesland. Darunter sind nach SPIEGEL-Informationen das Impfzentrum Schortens, das vom DRK betrieben wird, und die Geschäftsstelle des DRK in Jever.
Impfzentrum im friesländischen Schortens

Impfzentrum im friesländischen Schortens

Foto:

Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Der Impfskandal in Friesland weitet sich nach SPIEGEL-Recherchen weiter aus. Seit dem frühen Morgen durchsucht die Ermittlungsgruppe »Vakzin« mehrere Objekte des DRK, darunter das von der Hilfsorganisation betriebene Impfzentrum im friesischen Schortens.

Nach SPIEGEL-Informationen stehen die Durchsuchungen allerdings in keinem direkten Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen die ehemalige Mitarbeiterin Antje T., die einen Skandal ausgelöst hatte, weil sie im April mindestens sechs Spritzen mit Kochsalzlösung und möglicherweise Impfresten aus zwei gebrauchten Ampullen aufgezogen haben soll, die dann wohl impfwilligen Bürgerinnen und Bürgern verabreicht wurden. Nach eigenen Angaben habe sie vertuschen wollen, dass ihr eine Ampulle des Wirkstoffs von Biontech und Pfizer heruntergefallen war.

Betroffene stehen Schlange, um erneut in Schortens geimpft zu werden

Betroffene stehen Schlange, um erneut in Schortens geimpft zu werden

Foto: Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Möglicherweise könnte die 38-Jährige aber auch deutlich mehr wirkungslose Spritzen aufgezogen haben. Zeugen wollen Auffälligkeiten im Verhalten der Mitarbeiterin im Labor beobachtet haben. Inzwischen lud der Landkreis mehr als 10.000 Menschen zur Nachimpfung in das Impfzentrum Schortens ein. Sie alle waren geimpft worden, als Antje T. im Dienst war. Die Beschuldigte bestreitet über ihren Anwalt, dass es mehr Fälle geben könnte als jene, die im Zusammenhang mit der heruntergefallenen Ampulle stünden. Einen politischen Hintergrund gebe es nicht.

Wie der SPIEGEL berichtete, hatte eine Kollegin von T. bereits fünf Tage, bevor der Impfskandal publik wurde, das DRK vor T. gewarnt. Sie hatte von ihr wirre Verschwörungsfantasien zugeschickt bekommen. Darunter einen Text, wonach das »Merkel-Regime« mit den Vakzinen die »Bevölkerung dezimieren« wolle. Ihre Hinweise seien aber von Vorgesetzten ignoriert worden, sagte die Mitarbeiterin, die auch als Zeugin bei der Polizei ausgesagt hat.

Warum die Ermittlungsbehörden nun Objekte des DRK durchsuchen, wollten sie auf Anfrage nicht mitteilen.

gud
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.