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Mordserie in Tulsa Polizei in Oklahoma untersucht tödliche Schüsse auf Schwarze

In der amerikanischen Stadt Tulsa sind Schüsse auf fünf Schwarze abgegeben worden, drei der Opfer starben. Die Polizei hat inzwischen zwei tatverdächtige Weiße festgenommen, rätselt aber noch über die Motive. War wieder nackter Rassismus der Antrieb?

Tulsa - Seit der Erschießung des 17-jährigen Schwarzen Trayvon Martin läuft in den USA eine Debatte über Rassismus, Waffengesetze, Notwehrsituationen. Und während die Ermittler in diesem Fall noch zu klären versuchen, ob die tödlichen Schüsse in Florida wie von dem Schützen behauptet in Notwehr oder zielgerichtet abgegeben wurde, ist schon der nächste Brennpunkt entstanden: in Tulsa, einer 400.000-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat Oklahoma. Hier wurde auf fünf Schwarze geschossen, drei der Opfer starben. Tatverdächtig sind zwei Weiße.

Das Ermittlerteam der Polizei ist auf 30 Mann angewachsen, das FBI ist eingeschaltet, die beiden Verdächtigen sind inzwischen inhaftiert. Und doch steht der Operation "Random Shooter" in Tulsa noch einiges an Ermittlungen bevor. Allem voran muss eine Frage geklärt werden: Welches Motiv steckt hinter den Anschlägen? War es Rassismus?

Die Taten versetzten die schwarze Gemeinde in Tulsa in Angst und Schrecken: Am frühen Freitagmorgen wurden in einem überwiegend von Afroamerikanern bewohnten Viertel in einem Umkreis von fünf Kilometern fünf Schwarze auf der Straße angeschossen. Um ein Uhr in der Nacht wurde eine 49-jährige Frau mit schweren Schussverletzungen gefunden, eine Stunde später ein 54-Jähriger sowie um 8.30 Uhr ein 31-Jähriger. Die Opfer erlagen ihren Verletzungen. Außerdem fand die Polizei zwei weitere Verletzte, die inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten, zu denen die Ermittler aber keine näheren Angaben machen.

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Oklahoma: Tödliche Schüsse in Tulsa

Foto: LARRY PAPKE/ Reuters

Die schwarze Gemeinde der Stadt lebte fortan in Angst vor einem mutmaßlichen Serienmörder. Augenzeugen berichteten von einem weißen Mann in einem alten weißen Pick-up. Natürlich wurde sofort von rassistisch motivierten Taten ausgegangen.

Ein Schwarzer erschoss den Vater eines Tatverdächtigen

Aufgrund eines anonymen Tipps konnten Polizei und FBI am Sonntag zwei Tatverdächtige festnehmen. Es handelt sich dabei um zwei Weiße, 19 und 32 Jahre alt, die zusammen wohnen und in einem Haus in Turley, im Norden Tulsas, festgenommen wurden. Den Festgenommenen drohten Mordanklagen, berichtete die Zeitung "Tulsa World ".

Noch sind die Ermittler aber vorsichtig mit der Aussage, dass die Taten einen rassistischen Hintergrund haben. Es sei zwar zu früh, von rassistisch motivierten Taten zu sprechen, sagte Polizeichef Chuck Jordan vor Journalisten. Eine "logische Theorie" sei dies aber schon. "Es macht mich krank und wütend", ergänzte er. Mit derartigen Verbrechen habe Tulsa nichts gemein.

Polizeisprecher Jason Willingham betonte, die Behörden stünden noch am Anfang ihrer Ermittlungen. Möglicherweise sei das Motiv für die Taten Rache. Nach derzeitigen Ermittlungen wurde vor zwei Jahren der Vater des 19-jährigen Verdächtigen ermordet - von einem Schwarzen. Die Polizei fand auf der Facebook-Seite des jungen Mannes einen Eintrag vom vergangenen Donnerstag, in dem dieser den Tod seines Vaters beklagte und rassistische Äußerungen verbreitete. Er schrieb, wie schwer der zweite Jahrestag des Todes zu ertragen sei - und zwar besonders, nachdem seine Freundin kurz zuvor Selbstmord begangen habe.

Der Facebook-Eintrag, der am Sonntagnachmittag aus dem Netz genommen wurde, gebe Hinweise auf ein mögliches Motiv, sagte Polizeisprecher Willingham: "Wenn man den Eintrag liest und sich anschaut, welcher Taten er verdächtigt wird, kann man eine Verbindung dazwischen sehen."

Noch ist unklar, wer geschossen hat

Einem Bericht von "Tulsa World" zufolge wurde dem Vater des Verdächtigen in die Brust geschossen, als er mit einem Mann rang, der in die Wohnung seiner Tochter einzubrechen versuchte. Der Angeschossene starb, der Täter sitzt eine sechsjährige Haftstrafe ab.

Den Ermittlern zufolge wurde eine Waffe gefunden, die den Morden in Tulsa zugeordnet werden kann - es sei aber noch nicht klar, wer damit geschossen habe.

Die schwarze Gemeinde atmet auf. Die Festnahmen seien eine große Erleichterung, sagte Reverend Warren Blakney, der Vorsitzende der Bürgerrechtsorganisation National Association for the Advancement of Colored People  (NAACP) in Tulsa. Die Gemeinde könne nun ohne Angst vor einem Serienmörder zum normalen Alltag zurückkehren.

Für Stadtrat Jack Henderson ist klar: Die Taten hatten einen rassistischen Hintergrund. "Jemand, der solche Verbrechen begeht, muss sehr aufgebracht über Schwarze sein." Allein die Tatsache, dass der Schütze weiß und die Opfer schwarz gewesen seien, ergäben für ihn schon ein schlüssiges Bild.

siu/AP/Reuters