Baden-Württemberg Polizei nimmt ehemaligen KZ-Aufseher fest

Ermittler haben in Baden-Württemberg einen früheren Aufseher des Konzentrationslagers Auschwitz festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft steht der 93-Jährige unter dringendem Tatverdacht, Morde in dem Vernichtungslager unterstützt zu haben. Der Mann sitzt nun in Untersuchungshaft.

Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau: Aufnahme aus den fünfziger Jahren
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Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau: Aufnahme aus den fünfziger Jahren


Stuttgart - Fahnder aus Baden-Württemberg haben einen ehemaligen Aufseher des Konzentrationslagers Auschwitz festgenommen. Wegen des dringenden Tatverdachts, die Morde in dem Vernichtungslager unterstützt zu haben, wurde der 93-Jährige in Untersuchungshaft genommen, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Seine Wohnung wurde durchsucht. Der Mann hatte demnach von Herbst 1941 an bis zur Auflösung des Lagers im Frühjahr 1945 in Auschwitz gearbeitet, unter anderem als Aufseher.

Der Rentner soll den Angaben zufolge wegen Beihilfe zum Mord angeklagt werden. "Wir werden versuchen, konkret inhaltlich und zeitlich festzustellen, was er in Auschwitz gemacht hat", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Zwar gingen die Ermittler davon aus, dass der Verdächtige in seiner Funktion als Aufseher nicht selbst Menschen im Lager getötet habe, wohl aber "mit seinen Handlungen dort die Täter unterstützte". Eine entsprechende Anklageschrift werde derzeit vorbereitet. Ein Arzt habe den Mann trotz seines hohen Alters am Montag als haftfähig beurteilt, so die Sprecherin. Seit November 2012 hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa gehörte der Mann dem Totenkopf-Sturmbann an. Das war faktisch die Wachmannschaft des Konzentrationslagers. Später arbeitete er demnach für die dortige SS-Standortverwaltung als Koch. Jedoch soll er nicht für die Häftlinge gekocht haben, sondern für die SS-Truppe. Sein Name steht laut der Agentur auf der Liste der zehn meistgesuchten Nazi-Verbrecher. Der gebürtige Litauer wanderte demnach 1956 in die USA aus, nach Chicago. Im Jahr 1982 wurde er ausgewiesen, weil er den USA seine SS-Vergangenheit verschwiegen hatte. Seit seiner Einreise nach Deutschland im Jahr 1983 wohnte er in Aalen.

Anfang April war bekannt geworden, dass deutsche Fahnder etwa 50 ehemaligen Aufsehern des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau auf der Spur sind. Den Ermittlern lägen die Namen und Angaben zu den Wohnorten der Tatverdächtigen vor, sagte der Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg, Kurt Schrimm. Sie lebten über ganz Deutschland verteilt und seien um die 90 Jahre alt.

Die Behörde wird seit 1958 von den Bundesländern finanziert. Sie hat seither insgesamt 7485 Vorermittlungsverfahren geführt. Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wurde von 1940 bis 1945 von den deutschen Nationalsozialisten im besetzten Polen betrieben. Mehr als eine Million Menschen wurde dort ermordet, die meisten waren europäische Juden.

wit/dpa/AFP/Reuters



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