Einsatzstatistik Polizei in Deutschland erschoss vergangenes Jahr 14 Menschen

In den USA und Europa demonstrieren Menschen seit Wochen gegen Polizeigewalt. Nun verrät ein Medienbericht, wie häufig hierzulande tödliche Schüsse von Beamten fallen.
Polizist mit Dienstwaffe (Archivfoto)

Polizist mit Dienstwaffe (Archivfoto)

Foto: Swen Pförtner/ dpa

Nicht nur in den USA sterben Menschen bei Polizeieinsätzen. Auch in Deutschland sind dabei im vergangenen Jahr 14 Menschen erschossen worden. Wie die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Statistiken der Bundesländer sowie der Bundespolizei berichtet, verletzten Polizisten 29 weitere Menschen mit ihrer Dienstwaffe.

Insgesamt schossen Polizeibeamte laut dem Bericht im vergangenen Jahr 67 Mal auf Menschen. Hinzu kamen demnach 63 Warnschüsse. Im Jahr 2018 hatte es der Zeitung zufolge landesweit elf Tote durch Polizeischüsse gegeben.

Die Zahlen sind damit deutlich geringer als in den USA. Zur Einordnung: Die Vereinigten Staaten haben ungefähr viermal so viele Einwohner wie Deutschland, dort sterben jedes Jahr aber ungefähr tausend Menschen durch Schüsse von Polizisten. Allerdings gibt es auch in Deutschland Diskussionen über rassistische Tendenzen in der Polizei.

Polizei weist Vorwürfe zurück

So schlug etwa SPD-Chefin Saskia Esken kürzlich vor, auch deutsche Sicherheitskräfte unabhängig prüfen zu lassen. Die SPD-Chefin forderte eine Aufarbeitung von übermäßiger Gewaltanwendung und Rassismus von Beamtinnen und Beamten. Interessenvertreter der Polizei wiesen die Vorwürfe zurück.

"Wir halten ihre Aussage für falsch und unnötig. Es gibt aus unserer Sicht keinen Anlass, die Ereignisse in den USA mit hiesigen Verhältnissen zu verknüpfen", sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Dietmar Schilff dem SPIEGEL.

Allerdings gab es auch in Deutschland in der Vergangenheit durchaus Fälle von Rechtsextremismus in Polizeikreisen. Hessen ermittelte 2018 etwa gegen mehrere Polizeibeamte, in Bayern wurden Beamte suspendiert, die zur Gruppe der sogenannten Reichsbürger gehören sollen

Laut einer SPIEGEL-Umfrage sieht eine knappe Mehrheit der Menschen in Deutschland dennoch kein Rassismusproblem bei der Polizei. Allerdings steigt die Zahl derer, die ein Problem sehen, mit der Bevölkerungsdichte eines Ortes. Bewohner von Großstädten sehen also eher rassistische Tendenzen als Bewohner kleiner Orte (mehr dazu lesen Sie hier).

Fall in Atlanta befeuert Proteste gegen Rassismus

Hintergrund der aktuellen Debatte in Deutschland und den USA ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd Ende Mai in Minneapolis. Damals hatte ein weißer Polizeibeamter sein Knie in den Nacken des am Boden liegenden Floyd gedrückt - trotz dessen wiederholter Bitten, ihn atmen zu lassen.

Der Polizist und drei an dem Einsatz beteiligte Kollegen wurden entlassen, festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden.

Anschließend kam es in den USA bei Protesten in mehreren Städten zu Bränden und Plünderungen, in einigen Orten wurden Ausgangssperren erlassen. US-Präsident Donald Trump hatte das Recht auf friedliche Proteste wiederholt betont, aber auch eine harte Linie der Einsatzkräfte verlangt.

Die Demonstrationen verliefen nun tagelang friedlich, rissen aber nicht ab - und werden durch einen neuen Fall in Atlanta befeuert.

Ein Polizist hatte dort am Freitagabend auf einem Parkplatz einen 27-jährigen Schwarzen erschossen, der sich nach Angaben des Kriminalamts GBI zuvor seiner Festnahme widersetzt hatte. Der Mann starb den Angaben zufolge schließlich in einem Krankenhaus nach einer Operation.

Anschließend sind Proteste in der Stadt offenbar erneut eskaliert. Am späten Samstagabend brannte das Schnellrestaurant, vor dem der Mann am Tag zuvor niedergeschossen worden war.

Auch in Deutschland und anderen Staaten gab es unter dem Slogan "Black Lives Matter" zuletzt Demonstrationen gegen Rassismus (mehr dazu lesen Sie hier). In Großbritannien rückt das Problem derzeit zudem durch Rechtsextreme und Hooligans in den Vordergrund, die auf die Straßen gehen, um Denkmäler aus der Kolonialzeit zu verteidigen. In Kanada gibt es Ermittlungen, nachdem ein Ureinwohner bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen ist.

jme/AFP/dpa