Razzia wegen Kokainschmuggels Polizei nimmt berüchtigten Kiezpaten Bashkim Osmani fest

Es ist ein Schlag gegen ein mutmaßliches albanisches Kokainnetzwerk: Bei einer EU-weiten Razzia nahmen Polizisten 45 Verdächtige fest – darunter auch eine bekannte Hamburger Kiezgröße.
Bashkam Osmani: Verurteilung zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Untreue (2008)

Bashkam Osmani: Verurteilung zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Untreue (2008)

Foto: Jens Ressing / picture-alliance/ dpa

Bei einer EU-weiten Razzia gegen einen mutmaßlichen albanischen Kokainschmuggel-Ring hat die Polizei am Dienstag in mehreren Ländern insgesamt 45 Verdächtige festgenommen – darunter auch den berüchtigten Hamburger Kiez-Paten Bashkim Osmani. Er soll im Zentrum der Schmuggeloperation stehen.

Die Verdächtigen sollen Kokain aus Lateinamerika importiert und in großem Stil damit gehandelt haben. Die Einnahmen sollen schließlich in mehreren EU-Staaten, darunter Spanien, gewaschen worden sein.

600 Polizistinnen und Polizisten beteiligt – und das FBI

An der Aktion waren laut Europol 600 Polizistinnen und Polizisten beteiligt. Sie hätten insgesamt 80 Objekte durchsucht. Die Aktion habe parallel in Spanien, Belgien, Kroatien, Deutschland, Italien und den Niederlanden stattgefunden. In Deutschland durchsuchten Ermittler nach SPIEGEL-Informationen mehrere Wohnungen in Hamburg und stellten Unterlagen sicher. Anlass war ein Rechtshilfeersuchen der spanischen Behörden, die seit Jahren gegen Osmani wegen mutmaßlicher Drogengeschäfte im großen Stil ermitteln. Osmani selbst wurde auf einer Reise nach Kroatien festgenommen.

Neben nationalen Ermittlungsbehörden von EU-Staaten beteiligten sich an der Aktion auch die britische National Crime Agency und die US-amerikanische Bundespolizei FBI. Die Ermittlungen zu der Gruppe begannen 2018 in Spanien – der Durchbruch gelang den Ermittlern nach dem Hack des weltweit bei Kriminellen beliebten Kryptochat-Anbieters Sky ECC im Jahr 2020, den einige der Beschuldigten offenbar zur Abwicklung ihrer Geschäfte nutzten.

Bashkim Osmani war 2008 wegen Untreue zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden

Bashkim Osmani kam mit mehreren Brüdern Ende der Siebzigerjahre aus dem Kosovo nach Deutschland. Sie entwickelten sich schnell zu einer der schillerndsten Familien des Hamburger Kiezes. Der älteste der vier Brüder, Quazim, arbeitete angeblich als Aushilfsfahrer bei einer Altkleidersammlung, fuhr jedoch bald im Ferrari durch Hamburg. Die Brüder sollen inzwischen über ein Firmen- und Immobilienimperium im Wert einer dreistelligen Millionensumme verfügen.

Die Behörden versuchten jahrelang, dem Reichtum der Osmanis auf den Grund zu gehen, konnten ihnen jedoch jahrelang nichts Illegales nachweisen. Erst 2008 wurden zwei der Brüder, Bashkim und Burim Osmani, zu mehreren Jahren Haft verurteilt – wegen Untreue. Der damalige Schaden hatte 27 Millionen Euro betragen.

Danach zog es Bashkim Osmani nach Mallorca, wo er seit Jahren in einer stattlichen Villa lebt. Auf der Insel soll ihm auch ein bei Promis beliebtes Edelrestaurant gehören. Ein Foto zeigt den mutmaßlichen Kokainschmuggler Osmani mit dem Hollywoodstar Nick Nolte und dem deutschen Schauspieler Til Schweiger. Osmanis Tochter wiederum hatte nach SPIEGEL-Informationen im Jahr 2007 sogar einen Auftritt auf der Kinoleinwand. Sie ergatterte eine Nebenrolle in Schweigers Filmhit »Keinohrhasen«. Eine Anfrage des SPIEGEL, welches Verhältnis Til Schweiger zu Bashkim Osmani pflegt und wie es zum Engagement von dessen Tochter im Film kam, ließ der Schauspieler bislang unbeantwortet.

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