Polizeichef Mannichl "Ich hätte nie für möglich gehalten, was über uns hereingebrochen ist"

Passaus Polizeichef Mannichl spricht erstmals ausführlich über die Spekulationen, der blutige Angriff auf ihn könne einen familiären Hintergrund gehabt haben. Im "Stern" weist er sie als "unerträglich" zurück - Ehefrau Anneliese klagt über "Hetze" gegen sich und ihre Kinder.


Hamburg - Der Passauer Polizeichef Alois Mannichl und seine Ehefrau Anneliese haben erstmals in einem gemeinsamen Interview Stellung zu den Geschehnissen vom vergangenen Dezember genommen - und wehren sich empört gegen Spekulationen, ein Motiv für das Attentat auf den 52-Jährigen sei im familiären Umfeld zu suchen.

"Als die Stimmung und Berichte negativ gegen meine Frau gegangen sind, das war für mich kaum zu ertragen", sagte Mannichl jetzt dem "Stern" - und spricht von einer "Medienhetzkampagne, die ihresgleichen sucht". Nur dem familiären Zusammenhalt und der Unterstützung durch Freunde und Nachbarn sei es zu verdanken, dass man diese Zeit habe durchstehen können, so das Paar.

Am Abend des 13. Dezember 2008 war Mannichl, der besonders für sein kompromissloses Vorgehen gegen die rechtsextreme Szene bekannt ist, an seiner Haustür in Fürstenzell von einem Unbekannten niedergestochen worden. Da der Täter laut Mannichls Aussage eine Bemerkung über "Grüße vom Nationalen Widerstand" machte, galt es als wahrscheinlich, dass er der rechtsextremen Szene zuzurechnen ist.

"Nie für möglich gehalten, was über uns hereingebrochen ist"

Die Ermittlungen stellten sich zunächst jedoch als eine Serie von Pannen und Nachlässigkeiten dar. So musste ein aus der rechtsextremen Szene stammendes Münchner Ehepaar, das bereits wegen Beihilfe zum versuchten Mord in Untersuchungshaft saß, schon nach wenigen Tagen wieder freigelassen werden, zudem wurde der Name einer Zeugin öffentlich gemacht.

Trotz der Veröffentlichung mehrerer Phantombilder sind der Täter und mögliche Komplizen bisher unbekannt.

Im Januar mehrten sich Medienspekulationen und Vorwürfe gegen die Ermittlungsarbeit der Polizei: Das private Umfeld der Mannichls und mögliche familiäre Motive für die Tat seien nicht konsequent genug überprüft worden, hieß es.

"Ich hätte nie für möglich gehalten, was über uns hereingebrochen ist", sagte Anneliese Mannichl im Interview. "Dieser Verdacht gegen mich und unsere beiden Kinder. Diese Hetze." Auch, dass es so lange gedauert habe, bis es zu einer Klarstellung seitens der Polizei kam, habe sie belastet.

"Für mich ist klar, dass es ein Wahnsinniger ist"

Eine Mitverantwortung der Polizei für die Spekulationen weist Mannichl zurück ("Ich rede von der Öffentlichkeit"). Er äußert jedoch "Verwunderung" über die Staatsanwaltschaft. Die habe zunächst mitgeteilt, auf der Tatwaffe - ein Küchenmesser der Familie - hätten sich nur DNA-Spuren Alois Mannichls gefunden. Wenig später habe es allerdings geheißen, die Auswertung der Spuren dauere so lange, weil auf dem Messer "so viele verschiedene DNA-Spuren übereinander gelagert seien".

Zum Stand der Ermittlungen wollte sich Mannichl nicht äußern, sagte jedoch in Bezug auf den möglichen Täter: "Für mich ist klar, dass es ein Wahnsinniger ist. Ein überzeugter Rechter, der aber nicht in einer Organisation sein muss." Einzeltäter seien am schwierigsten zu ermitteln, "aber irgendwann wird er einen Fehler machen".

Alois Mannichl nahm bereits Anfang Januar seinen Dienst wieder auf. Im Februar wurde von der Passauer Staatsanwaltschaft ein familiärer Hintergrund der Tat ausgeschlossen. Der Täter könne tatsächlich aus der rechtsextremen Szene stammen, hieß es.

Die Ermittlungen dauern an.

pad

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