Polizeieinsatz in Rio Tote bei Drogenrazzien in Elendsvierteln

Hartes Vorgehen gegen die Drogenkriminalität: Rund 150 Beamte verschiedener Eliteeinheiten haben bei Einsätzen in zwei Elendsvierteln von Rio de Janeiro mehrere Menschen getötet. Es handle sich ausnahmslos um Kriminelle, betont die Polizei - doch Menschenrechtsorganisationen sind skeptisch.


Rio de Janeiro - Die brasilianische Polizei hat bei einem Einsatz gegen Drogenbanden mindestens zehn Menschen getötet. Sechs mutmaßliche Drogenhändler seien in der Favela Coréia und vier in Vila Aliança im Westen der Stadt ums Leben gekommen, teilte ein Sprecher mit. "Alle Getöteten waren Kriminelle, die das Feuer auf die Polizei eröffneten", sagte der Sekretär für Sicherheit des Staates Rio de Janeiro, José Mariano Beltrame, auf einer Pressekonferenz. Die Sicherheitskräfte seien beschossen worden und hätten reagieren müssen, betonte Beltrame.

Razzia in Rio: "Die Kriminellen haben das Feuer auf die Polizei eröffnet"
REUTERS

Razzia in Rio: "Die Kriminellen haben das Feuer auf die Polizei eröffnet"

Der Sprecher eines Krankenhauses, in das die Opfer der Zusammenstöße gebracht wurden, sprach unterdessen von mindestens elf Toten. Laut Polizei wurden bei der Aktion außerdem sieben Männer festgenommen sowie Pistolen, Granaten, Funkgeräte, Munition und Maschinengewehre sichergestellt. Auch sei eine unbestimmte Menge Kokain und Marihuana gefunden worden, hieß es.

Ziel der Razzia in den beiden Slumvierteln sei es gewesen, Waffen und Drogen zu beschlagnahmen, teilte Polizeichef Gilberto Ribeiro mit. Zudem sollte der bekannte Drogenhändler Marcio da Silva Limar festgenommen werden. Dies sei jedoch nicht gelungen, sagte Ribeiro.

An der Aktion nahmen den amtlichen Angaben zufolge 150 Beamte verschiedener Eliteeinheiten teil. Die Zusammenstöße hätten rund acht Stunden gedauert und seien am Nachmittag (Ortszeit) zu Ende gegangen. Seit einem Jahr ordnet die Stadtverwaltung von Rio de Janeiro regelmäßige Razzien in den von Drogenhändlern kontrollierten Vierteln an.

Die Aktionen der Polizei in den Favelas von Rio sind sehr umstritten. Menschenrechtsorganisationen und Slumbewohner betonen, dass bei den Razzien fast immer Unschuldige betroffenen sind. Bei der letzten Polizeiaktion in den Favelas Coréia und Vila Aliança war im vergangenen Oktober unter den zwölf Opfern auch ein vierjähriger Junge.

han/dpa/AFP/AP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.