Polizeigewalt FBI untersucht Tod von Obdachlosem

Sechs Polizisten in Kalifornien stehen unter Verdacht, einen Obdachlosen zu Tode geprügelt zu haben. Der Mann wurde bei seiner Festnahme so schwer verletzt, dass er Tage später starb. Die Beamten wurden inzwischen beurlaubt. Ihr Anwalt sagt, das Opfer habe sich widersetzt.

Gedenken an gestorbenen Obdachlosen: Sechs Polizisten wurden beurlaubt
AP

Gedenken an gestorbenen Obdachlosen: Sechs Polizisten wurden beurlaubt


Los Angeles - Die amerikanische Bundespolizei FBI untersucht den Tod eines Obdachlosen im kalifornischen Fullerton, der nach einer Festnahme an den Folgen schwerer Verletzungen gestorben ist. Sechs Polizisten, die an dem Fall beteiligt sind, wurden nach übereinstimmenden Berichten von CNN und der "Los Angeles Times" inzwischen beurlaubt.

Den Zorn der Bürger Fullertons, einer Stadt südlich von Los Angeles, konnte diese Entscheidung jedoch kaum mildern. Viele Menschen forderten den Rücktritt des Polizeichefs, darunter auch ein Mitglied des Stadtrates. Die Staatsanwaltschaft untersucht den Fall laut "L.A. Times" mit zwei Dutzend Ermittlern.

Der Vorfall ereignete sich am Abend des 5. Juli. Die Polizisten waren nahe eines Busbahnhofs unterwegs, um Hinweisen auf Autoeinbrüche nachzugehen. Der an Schizophrenie leidende Obdachlose wurde als möglicher Täter verdächtigt. Als er fliehen wollte, eskalierte die Situation. Was dann geschah, wurde von Passanten teilweise auf Video festgehalten. Zudem zeichnete eine Überwachungskamera an einer Bushaltestelle den Vorfall auf.

Auf den Videoaufnahmen sind die Schreie des Mannes zu hören, der verzweifelt nach seinem Vater ruft. Eine Frau spricht davon, dass die Beamten fünfmal mit einer Elektroschockpistole auf den 37-Jährigen losgegangen seien. Es mache einen "traurig", diese Bilder anzuschauen, sagte Susan Kang Schroeder von der Staatsanwaltschaft im Bezirk Orange County zu CNN. Auf dem Video sei aber nicht der gesamte Vorfall zu sehen, so Schroeder. Der Fall werde gründlich untersucht.

Der schwer verletzte Mann fiel ins Koma und starb fünf Tage später im Krankenhaus. "Das war tragisch für unsere Gemeinschaft. Wir sind mitten in einer Untersuchung", hieß es am Mittwoch in einer Stellungnahme der Polizei.

Ein Anwalt der sechs Polizisten nahm seine Mandanten am Mittwoch in Schutz. Der Verdächtige sei aggressiv gewesen und habe sich der Festnahme widersetzt, sagte Michael D. Schwartz der "Los Angeles Times". Entgegen Äußerungen von Zeugen sei der Elektroschocker nicht "übermäßig" angewendet worden. Ron Thomas, der Vater des Opfers, wirft den Polizisten vor, sie hätten seinen Sohn brutal zu Tode geprügelt.

hut/dpa



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