USA Vierjährige klaut Puppe - Polizei droht mit Kopfschuss

Ein schwarzes Mädchen stiehlt eine Ein-Dollar-Puppe, die Polizei geht mit Waffengewalt gegen die Familie vor: Jetzt haben die Eltern die Stadt Phoenix verklagt - auf zehn Millionen Dollar Entschädigung.

Ross D. Franklin/ AP

In einem Ein-Dollar-Laden soll eine vierjährige Schwarze aus Phoenix, Arizona Spielzeug gestohlen haben. Eine Bagatelle, könnte man meinen. Doch was darauf folgte, war ersten Erkenntnissen zufolge alles andere als trivial.

Wie US-Medien berichten, wollten Dravon Ames, 22, und seine Verlobte Iesha Harper, 24, ihre beiden Töchter gerade zu einem Babysitter bringen, als sie von Polizisten mit gezogener Waffe gestoppt wurden. "Nimm deine Scheiß-Hände hoch oder ich schieß dir in den Kopf", soll der Polizist gerufen haben. Ein Anrufer soll zuvor die Behörden darüber informiert haben, dass die Familie mutmaßlich etwas gestohlen habe.

Mehrere Passanten verfolgten den Einsatz am 27. Mai und dokumentierten ihn mit Handy-Videos. Die Aufnahmen zeigen, wie die Polizisten einen schwarzen Mann und eine Frau mit gezogener Waffe bedrohen. Während dem Mann Handschellen angelegt werden, wird die Frau von den Polizisten angegangen und später ebenfalls abgeführt. Eine Passantin nimmt derweil die Kinder des Paares aus der Schusslinie.

Der Beamte habe befürchtet, die Frau greife nach einer Waffe, heißt es in dem 16 Seiten langen Polizeibericht. Die im sechsten Monat schwangere Frau soll erklärt haben, sie könne der polizeilichen Aufforderung, die Arme zu heben, nicht nachkommen, weil sie die einjährige Tochter auf dem Arm trage.

Laut Polizeibericht soll nicht nur das Kind, sondern auch der Vater etwas gestohlen haben - angeblich Unterwäsche. Die Familie dementierte dies und erklärte, lediglich die Tochter habe ohne ihr Wissen eine Puppe im Wert von einem Dollar mitgenommen. Die Anwälte des Paares erklärten am Montag, selbst wenn ein Familienmitglied etwas gestohlen habe, sei das aggressive, lebensbedrohliche Vorgehen der Polizisten mit nichts zu rechtfertigen.

"Ich dachte, sie würden uns alle exekutieren", sagte Dravon Ames. "Ich hatte große Angst um mich und meine Familie."

Wie der Sender NBC News berichtet, will das Paar die Stadt Phoenix jetzt auf eine Entschädigung in Höhe von zehn Millionen US-Dollar verklagen. Die Polizei habe sie widerrechtlich festgenommen, so der Vorwurf. Rapper Jay Z hat angekündigt, dass sein Plattenlabel Roc Nation für die Gerichtskosten des Paares aufkommen werde.

Die Polizei in Phoenix hat interne Ermittlungen eingeleitet. Man nehme die Vorwürfe sehr ernst, hieß es in einer Erklärung.

Reverend Jarrett Maupin, Mitte, mit Dravon Ames und seiner Verlobten Iesha Harper (rechts)
AP

Reverend Jarrett Maupin, Mitte, mit Dravon Ames und seiner Verlobten Iesha Harper (rechts)

Arizonas republikanischer Gouverneur Doug Ducey nannte das Video, in dem die Polizisten ihre Waffen auf eine Familie richten und sie beleidigen "verstörend und inakzeptabel". Dennoch gelte es, die näheren Umstände des Vorfalls zu ermitteln, bevor man ein vorschnelles Urteil fälle, so Ducey. Phoenix' demokratische Bürgermeisterin Kate Gallego hingegen entschuldigte sich am Wochenende. Sie bezeichnete den Polizeieinsatz als "völlig unangemessen und eindeutig unprofessionell".

Ames und Harper erklärten, sie würden die öffentliche Entschuldigung nicht akzeptieren. Bisher habe sich kein Vertreter der städtischen Behörden persönlich bei ihnen entschuldigt.

Jarrett Maupin, ein Pfarrer, der die Familie unterstützt, sagte: "Selbst wenn sie jede verdammte Rolle Alufolie, zehn Packungen Unterwäsche und ein Rebhuhn und einen Birnenbaum geklaut hätten, rechtfertigt das nicht das, was wir auf dem Video gesehen haben."

ala



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