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19. Mai 2015, 07:53 Uhr

Verdacht auf Polizeigewalt in Hannover

Präsident der Bundespolizei droht mit Konsequenzen

Ein Bundespolizist soll in Hannover wiederholt Flüchtlinge misshandelt haben, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Bundespolizeipräsident Romann droht mit Konsequenzen. Der Zentralrat der Muslime fordert Entschädigung für die Opfer.

Bundespolizeipräsident Dieter Romann hat im Fall der mutmaßlichen Misshandlung von Flüchtlingen in Hannover vor Vorverurteilungen gewarnt, aber auch Konsequenzen angekündigt. "Sollten sich die zum Teil erheblichen Vorwürfe gegen den oder die Beamten einer bestimmten Dienstgruppe der Inspektion Hannover auch nur ansatzweise bestätigen, wird die Bundespolizei gegen den oder die betreffenden Beamten mit aller Konsequenz vorgehen", sagte Romann der "Bild"-Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen einen 39-jährigen Bundespolizisten unter anderem wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt. Der Bundespolizist soll Männer aus Afghanistan und Marokko gedemütigt, geschlagen und damit im Kurznachrichtendienst WhatsApp geprahlt haben. So soll er einen Asylbewerber gezwungen haben, verdorbenes Fleisch vom Fußboden zu essen, einen anderen soll er an Fußfesseln durch die Wache geschleift haben.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, nannte ein solches Verhalten menschenverachtend. Er forderte den Bundespolizeipräsidenten auf, hart durchzugreifen. Romann müsse sich bei den Opfern entschuldigen und sie entschädigen, damit nicht die Polizei insgesamt in Misskredit gerate, sagte Mazyek der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Noch ist unklar, ob weitere Beamte an den mutmaßlichen Taten beteiligt waren.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sprach von einem "schlimmen Einzelfall", der bestraft werden müsse. "Er darf jedoch nicht dazu führen, dass alle Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei, die täglich ihren nicht immer leichten und verantwortungsvollen Dienst versehen, diskreditiert werden", so Wendt. "Es gibt unzählige Beispiele von Kolleginnen und Kollegen, die sich mit großem Engagement für die Belange von Flüchtlingen einsetzen."

ulz/dpa/AFP

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