Polizeiliche Kriminalstatistik Tausende Kinder wurden Opfer von Gewalt

Fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge, Mord, Totschlag: Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland 136 Kinder ums Leben. Mehr als 14.000 Jungen und Mädchen wurden Opfer von sexueller Gewalt.

Gewalt gegen Kinder
Getty Images

Gewalt gegen Kinder


In Deutschland sind im vergangenen Jahr 136 Kinder gewaltsam zu Tode gekommen, fast 80 Prozent von ihnen starben vor ihrem sechsten Lebensjahr. Das wurde bei der Vorstellung der Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik zu Kindern als Gewaltopfer bekanntgegeben. In den meisten Fällen handelte es sich um fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge, es wurden jedoch auch 63 Fälle von Mord oder Totschlag verzeichnet.

2018 gab es zudem 98 versuchte Tötungsdelikte, bei denen die Opfer Kinder waren. Im Jahr davor waren bundesweit 143 Kinder getötet worden, die Zahl der Tötungsversuche lag 2017 bei 77.

Insgesamt 14.606 Kinder waren der Statistik zufolge 2018 von sexueller Gewalt betroffen. Die Zahl sei im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent gestiegen, sagte der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch. Einen leichten Rückgang gab es bei den Misshandlungen. Die Zahlen sanken von 4247 auf 4180 Fälle.

Diese Zahlen lassen aber keine klaren Rückschlüsse auf die tatsächliche Kriminalitätsbelastung zu, weil unklar ist, wie viele Delikte gar nicht erst zur Anzeige gebracht werden.

Mehr aufgedeckte Fälle im Bereich der Kinderpornografie

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, sagte, es brauche mehr Sensibilität für potenzielle Gefährdungslagen - etwa bei psychischen Störungen oder Suchterkrankungen der Eltern. Die Pädagogikprofessorin Kathinka Beckmann sprach von "erheblichen Schwächen" im Kinderschutz. Der größte Schwachpunkt seien Jugendämter, denen Fachkräfte fehlten und eine Instanz für Beschwerden.

Die Zahl der aufgedeckten Fälle zu Herstellung, Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie stieg im vergangenen Jahr um mehr als 14 Prozent auf 7449 Fälle. Das hat laut Bundeskriminalamtes (BKA) mit der höheren Zahl von Hinweisen - vor allem aus den USA - zu tun und mit neuen technischen Möglichkeiten.

Anfang Mai sei beispielsweise eine Bilderserie aus den USA an die deutschen Behörden geschickt worden. Dank "technischer Ermittlungen" habe dann der Ort, an dem das Material hergestellt wurde, schnell identifiziert werden können. Vier Tage später habe die Polizei den Täter geschnappt.

Doch der Fall war aus BKA-Sicht nur ein Teilerfolg. Die weiteren Ermittlungen zeigten laut Münch, dass die Körper der Opfer "vernarbte Spuren" sexueller Misshandlungen aufwiesen. Es habe sich herausgestellt, dass es schon ein Jahr zuvor einen Hinweis auf den im Internet unter Pseudonym agierenden Mann gegeben habe. Da seine IP-Adresse aber nicht gespeichert worden war, habe die Polizei ihn damals nicht ausfindig machen können.

bbr/dpa/AFP

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.