Bundeskriminalamt Polizei erfasst mehr Fälle von Kindesmissbrauch und Misshandlung

Die Polizei hat 2020 mehr Fälle von Gewalt gegen Kinder registriert – besonders stark stieg die Zahl erfasster Fälle von Kinderpornografie. Ein Zusammenhang mit der Coronapandemie ist laut dem BKA-Chef nicht belegbar.
Die Zahl der Misshandlung Schutzbefohlener stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent

Die Zahl der Misshandlung Schutzbefohlener stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent

Foto: Cavan Images / imago images/Cavan Images

Die Polizei in Deutschland hat im vergangenen Jahr erneut mehr Fälle von Kindesmissbrauch und von Misshandlungen Schutzbefohlener registriert. Das geht aus Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die in Berlin vorgestellt wurden.

So stieg die Zahl der Misshandlung Schutzbefohlener um zehn Prozent auf 4918 Fälle, die Zahl der Kindesmissbrauchs-Fälle stieg demnach um 6,8 Prozent auf mehr als 14.500 Fälle. Darüber hinaus starben im vergangenen Jahr 152 Kinder und Jugendliche bei Tötungsdelikten. Davon waren 79 vorsätzlich, 73 fahrlässig.

Um mehr als die Hälfte wuchs die Zahl erfasster Fälle von Kinderpornografie (18.761 Fälle). Das Internet werde mittlerweile »überschwemmt« von einer Masse an kinderpornografischem Material, das die Kapazitäten der Polizei überfordere, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Hinter den Zahlen verberge sich »zehntausendfaches Leid« von Kindern und Jugendlichen. Zugleich zeigten diese nur einen »kleinen Ausschnitt einer unerträglichen Realität«. Die Polizei brauche deutlich mehr Ressourcen, zudem müsse die Politik eine nationale Bekämpfungsstrategie entwickeln.

Nach BKA-Angaben war die starke Zunahme der Fälle von Kinderpornografie gegenüber dem Vorjahr unter anderem durch die vermehrten Hinweise der halbstaatlichen US-Organisation NCMEC an die deutschen Ermittler zurückzuführen. Diese sammelt systematisch Verdachtsfälle, wobei sie mit Internetanbietern kooperiert. Ein weiterer Faktor waren demnach auch ausgedehnte Ermittlungen gegen Kinderpornoringe in Deutschland sowie eine Entwicklung unter Jugendlichen, derartiges Material ohne pädosexuelle Motivation untereinander weiterzuleiten.

Die Taten ereigneten sich nicht alle im vergangenen Jahr, wie Holger Münch, der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), erklärte. Die Statistik ist demnach eine Ausgangsstatistik, erfasst also die Fälle zu einem Zeitpunkt, an dem die Polizei ihre Bearbeitung abschließt. So sei mehr als ein Viertel der erfassten Straftaten nicht 2020, sondern bereits davor geschehen. Zudem gebe es eine hohe Dunkelziffer. Ein direkter Zusammenhang zwischen den gestiegenen Zahlen und der Coronapandemie sei auch deswegen nicht belegbar, sagte Münch.

Johannes-Wilhelm Rörig, der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, nannte die Zahlen »unerträglich«. Dahinter stehe »zehntausendfaches Leid von Kindern und Jugendlichen«.

lmd/ptz/dpa/AFP