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Los Angeles: Polizist prügelt auf Frau ein

Foto: David Diaz/ AP/dpa

Prügel-Polizist in L.A. "Es sind Cops, keine Psychologen"

Weißer Täter, schwarzes Opfer: Ein neuer Fall von brutaler Polizeigewalt macht in Los Angeles Schlagzeilen. Ein Highway-Cop verprügelte eine psychisch kranke Obdachlose. Die Frau war auf Socken einen Freeway entlanggelaufen.

Die Szene ist verstörend: Eine Fußgängerin läuft auf Socken einen Freeway entlang. Ein Cop nähert sich. Es gibt ein Handgemenge, die Frau stürzt in den Staub, sie krümmt sich. Der Polizist hockt sich auf sie und schlägt ihr mit der behandschuhten Faust auf den Kopf - wieder und wieder, bis ein zweiter Beamter in Zivil dazustößt.

Nicht mal eine Minute dauert es, das Handyvideo  des Kaliforniers David Diaz, der mit dem Auto direkt daneben im Rushhour-Stau stand. Anfangs lachen er und sein Mitfahrer noch spöttisch, dann werden sie ernst: "Shit!" Und in Richtung des Cops: "Ich beobachte dich."

Der Vorfall ereignete sich vergangene Woche am Santa Monica Freeway in Los Angeles. Seitdem hat sich das Video viral verbreitet: Schon wieder ein brutaler Polizeiübergriff, schon wieder ein weißer Täter, schon wieder ein schwarzes Opfer.

"Wir sind sehr wütend", donnerte der Bürgerrechtler William Smart.

Ein allzu vertrautes Ritual nahm seinen Lauf: Die Lokalsender zeigten den Clip in der Endlosschleife, der Cop wurde beurlaubt, die Behörden ermitteln. Die Familie der Frau kündigte eine Zivilklage an.

Los Angeles 1992: Unruhen nach Polizeiübergriffen

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Foto: Corbis

Nicht nur für Südkalifornier ist dies ein trübes Déjà-vu. Polizeigewalt ist dort ein Dauerthema. Seit 1991, als drei Cops den Trucker Rodney King zusammenschlugen. Seither gab es zahllose ähnliche Fälle, teils mit Todesfolge.

Aber auch in anderen US-Städten kommt es immer wieder zu brutalen Übergriffen durch Sicherheitskräfte. Besonders häufig in New York City, wo zuletzt im März einem Mann, der von zwei Cops misshandelt worden war, 100.000 Dollar zugesprochen wurden.

Die Geschichte hinter dem aktuellen Fall ist komplex. Das Opfer heißt Marlene Pinnock und ist 51 Jahre alt. Die zweifache Großmutter sei gelernte Buchhalterin, berichtet die "Los Angeles Times". Sie sei seit Langem obdachlos und lebe zwischen "Müll, einem alten Computerbildschirm und Decken" unter der Autobahnbrücke des Santa Monica Freeways über die South La Brea Avenue - unweit der Stelle, wo der Cop sie verprügelte.

"Sie ist kein Tier", betonte die Anwältin der Familie, Caree Harper. "Sie hat eine Tante, eine Schwester, einen Bruder." Wo die jedoch in all den Jahren waren, während Pinnock ohne Dach über dem Kopf lebte, blieb unklar.

Über den Cop hingegen weiß man wenig. Fest steht, dass er nicht zum skandalgeschüttelten Los Angeles Police Department (LAPD) gehört, sondern zur California Highway Patrol (CHP), der dem Bundesstaat Kalifornien unterstellten Autobahnpolizei. CHP-Vizechef Chris O'Quinn leitete sofort ein Ermittlungsverfahren ein: "Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen."

Occupy-Proteste 2012: Auch New Yorks Polizei scheut vor Gewalt nicht zurück

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Foto: Mary Altaffer/ AP/dpa

Aus Gerichtsakten geht hervor, dass Pinnock schon öfter mit der Polizei zu tun hatte. Von 2004 bis 2013 wurde sie mehrmals aufgegriffen, wegen Diebstahl, Körperverletzung, "anzüglichen Verhaltens". Pinnock soll psychisch krank sein. Jedenfalls stellte die CHP sie unter psychiatrische Beobachtung. Zur Rushhour ohne Schuhe einen Freeway entlangzulaufen, das sei "nicht etwas, was die meisten Leute tun", sagte CHP-Sprecherin Denise Joslin.

Laut US-Regierungsangaben leidet fast jeder dritte Obdachlose an "schweren psychischen Störungen". Es ist ein Teufelskreis: Die Kranken fallen durch das Netz des Gesundheitssystems, viele landen ohne Behandlung auf der Straße, was alles nur verschlimmert.

Auch die Polizei stellt das vor Probleme. "Die Beamten müssen Straßenpsychologen sein", erklärt Carla Jacobs, die frühere Beauftragte der Stadt Los Angeles für psychische Erkrankungen. "Einige sind dafür gut ausgebildet. Andere nicht. Doch die Wahrheit ist, sie sind Cops. Sie sind keine Psychologen", sagte sie der "Los Angeles Times".

Viele US-Polizeistellen schulen ihre Mitarbeiter inzwischen für den Umgang mit psychisch kranken Obdachlosen. Auch die CHP bietet eine "achtstündige, interaktive Trainingsklasse".

Eine Rechtfertigung für ein Dutzend Faustschläge gegen eine hilflos am Boden liegende Frau sind Schulungsdefizite natürlich nicht, im Gegenteil. Das Verhalten des Cops werfe "ernsthafte Fragen" auf, erklärte Hector Villagra von der Bürgerrechtsorganisation ACLU. Andere riefen zu Protestmärschen auf.

"Sie hat etliche Beulen am Kopf und an den Schultern", sagte die Anwältin Harper. "Niemand verdient es, so geschlagen zu werden."

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