Attacke im Klassenzimmer Polizist wegen Angriffs auf Schülerin entlassen

Der Sheriff wertete das Verhalten eines Kollegen als "nicht akzeptabel": Wegen eines Angriffs auf eine Schülerin hat ein Polizist in South Carolina seinen Job verloren. Abgeschlossen dürfte der Fall damit aber noch nicht sein.

Twitter/OfficialReffb

Die Polizei im Bezirk Richland im US-Bundesstaat South Carolina hat einen Polizisten entlassen, der in einem Klassenzimmer eine Jugendliche brutal attackiert hat. Das hat das Büro des Sheriffs mitgeteilt. Eine Überprüfung habe ergeben, dass der Mann die Vorschriften der örtlichen Polizei missachtet habe, sagte Sheriff Leon Lott.

Angesichts mehrerer Handyvideos des Vorfalls und der Aussagen von Zeugen sei man zur Überzeugung gelangt, dass das Verhalten des Polizisten "nicht akzeptabel" gewesen sei. "Das ist keine angemessene Technik und sollte nicht von Gesetzeshütern eingesetzt werden", sagte Lott über die Vorgehensweise des Polizisten.

Alles andere als dieses Ergebnis wäre eine Überraschung - und in den Augen vieler Beobachter ein Skandal - gewesen. Die Videos zeigen, wie der Mann eine Schülerin mitsamt ihrem Pult anhebt und sie mit Wucht zu Boden wirft. Das Pult kippt nach hinten weg, der Polizist greift die 16-Jährige und schleudert sie Richtung Tür. Dabei sagt er, sie solle die Hände hinter dem Rücken lassen.

Bislang keine strafrechtlichen Folgen

Lott sagte, es habe ihn von Anfang an bestürzt, dass der Mann die Schülerin hochgehoben und durch den Raum geworfen habe. Der Polizist war für die Dauer der Ermittlungen ohne Gehalt vom Dienst suspendiert worden. Die Bundespolizei FBI, Ermittler auf Ebene des Bundesstaats sowie das Justizministerium haben ebenfalls Ermittlungen in dem Fall begonnen. Sie wollen prüfen, ob die Bürgerrechte des Mädchens verletzt wurden. Strafrechtlich wurde der 34-jährige Polizist bislang nicht belangt.

Das Opfer erlitt laut Lott leichte Abschürfungen durch die Landung auf dem Teppich. Die Identität der Jugendlichen wurde bislang nicht veröffentlicht. Der Anwalt des Mädchens behauptet, seine Mandantin habe Verletzungen an Arm und Rücken erlitten.

Der Vorfall ereignete sich gegen 11 Uhr vormittags. Im Mathematikunterricht soll das Mädchen SMS geschrieben haben. Auf Aufforderung des Lehrers und eines weiteren Schulangestellten weigerte sich die 16-Jährige, den Raum zu verlassen. Daraufhin wurde der Polizist gerufen. Er forderte das Mädchen auf, aufzustehen: "Entweder kommst du mit mir mit, oder ich werde dafür sorgen, dass du es tust." Und darauf: "Auf geht's, ich werde dich schon hochbekommen." Er teilte der Jugendlichen mit, dass sie unter Arrest stehe. Dann beginnt der körperliche Angriff.

Sheriff bezweifelt rassistische Motive

Der Lehrer und der andere Schulangestellte griffen nicht ein. Sie seien mit dem Vorgehen des Polizisten einverstanden gewesen, sagte Lott. "Sie hatten kein Problem mit dem körperlichen Teil", sagte er. "Ich bin derjenige, der ein Problem damit hatte."

Laut Polizei gibt es drei Videos von dem Vorfall. Eine der Aufnahmen zeige, wie das Mädchen nach dem Polizisten schlage, als er sie mit der Hand berühre. Das Opfer und eine zweite Schülerin, die sich eingemischt hatte, wurden vorübergehend an der Schule festgehalten.

Der Vorfall löste in den USA nicht nur in den sozialen Medien eine Debatte über Polizeipräsenz und Rassismus an Schulen aus. Der Polizist ist weiß, das Mädchen schwarz. Sheriff Lott sagte, er glaube nicht, dass der Vorfall einen rassistischen Hintergrund habe. Der Polizist sei seit einiger Zeit mit einer schwarzen Frau liiert gewesen.

Bürgerrechtsgruppen wiesen darauf hin, dass es Vorwürfe gegen den Mann gab, er neige zu Gewaltausbrüchen und erhebe haltlose Vorwürfe gegen afroamerikanische Schüler wegen angeblicher Gang-Mitgliedschaft.

Der Polizist arbeitete seit 2004 für den Sheriff. Seit 2008 war er an einem Programm beteiligt, das Polizisten, Lehrer, Schüler und Eltern zusammenbringen soll. Es sollte Kriminalität, Drogenkonsum und Gewalt bekämpfen.

ulz/AP

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