Sachsen-Anhalt Polizistin schrieb Briefe an Halle-Attentäter

Eine junge Beamtin soll romantische Briefe an den inhaftierten Rechtsterroristen Stephan B. geschrieben haben. Medienberichten zufolge läuft gegen die Polizistin eine interne Ermittlung, sie sei vom Dienst suspendiert.
Der verurteilte Attentäter Stephan Balliet (Archivbild)

Der verurteilte Attentäter Stephan Balliet (Archivbild)

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POOL / REUTERS

Eine Polizistin aus Sachsen-Anhalt ist wegen ihrer Nähe zu dem inhaftierten Attentäter des rechtsterroristischen Attentats in Halle (Saale) beurlaubt worden. Wie die »Mitteldeutsche Zeitung« (MZ) in ihrer Dienstagsausgabe berichtet , soll die Beamtin per Brief romantische Gefühle für den rechtsextremen Täter Stephan Balliet ausgedrückt haben. Zudem soll die Frau Anfang 20 eine Neigung zu rechtsextremen Verschwörungstheorien offenbart haben. Auch » Süddeutsche Zeitung«, NDR und WDR berichten über den Fall. 

Gegen die Polizistin aus dem Bereich der Polizeiinspektion Dessau-Roßlau läuft laut dem »MZ«-Bericht derzeit eine interne Ermittlung: Diese soll klären, inwiefern die Frau gegen Beamtenrecht verstoßen hat. Das Landesinnenministerium in Magdeburg habe sich am Montag nicht zu dem Fall geäußert.

Die Polizistin soll laut der Zeitung selbst den Briefkontakt zu dem 29-jährigen Rechtsextremisten gesucht und auch selbst rechtsextreme Ansichten geäußert haben. So habe sie in einem Brief an den Attentäter nahegelegt, dass sie an ein jüdisches Machtmonopol glaube. Die interne Prüfung solle nun klären, ob und inwiefern die Polizistin rechtsextreme Ansichten teilt.

Beamte im Kollegenkreis sollen Hinweise gegeben haben

Dass der Fall ans Licht kam, soll auf interne Hinweise von aufmerksamen Kollegen zurückgehen. Nach »MZ«-Recherchen erhalte der verurteilte Attentäter in der Haft Post von polizeibekannten Rechtsextremisten.

Vor zwei Jahren hatte er einen der schwersten rechtsextremen Anschläge in der Geschichte der Bundesrepublik verübt. Am 9. Oktober 2019 hatte er versucht, die Synagoge in Halle zu stürmen und am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, die versammelten Gemeindemitglieder zu erschießen.

Während des Angriffs befanden sich rund 50 Gläubige im Gotteshaus. Der Anschlag scheiterte an der gesicherten Synagogentür und Ladehemmungen der selbst gebauten Waffen, die der Attentäter für die Morde konstruiert hatte. Infolge des gescheiterten Anschlags erschoss er zwei Menschen in der Stadt.

Auf der Anklagebank hatte sich der Täter zu seinem Judenhass bekannt: Er habe weitere Extremisten zu Anschlägen motivieren wollen. Das Oberlandesgericht Naumburg verurteilte ihn Ende 2020 zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung. Ein Gutachter diagnostizierte bei ihm eine Persönlichkeitsstörung.

ngo/AFP
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