Portugal Kritik an britischer Polizei - Madeleine-Chefermittler abgesetzt
Lissabon - Die Kritik war harsch, die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Gonçalo Amaral, der portugiesische Chefermittler im Fall der vor fünf Monaten verschwundenen Madeleine, ist nach scharfer Kritik an der britischen Polizei entlassen worden. Der Chef der Kriminalpolizei, Alipio Ribeiro, bestätigte im Radiosender TSF entsprechende Meldungen. Der Beamte wurde seines Posten enthoben und in eine andere Dienststelle versetzt.
Der Kriminalkommissar hatte der britischen Polizei vorgehalten, im Interesse der Familie von Madeleine zu ermitteln. Zudem hatte der Beamte das Ehepaar Gerry und Kate McCann beschuldigt, falsche Spuren zu legen und die Ermittler in die Irre zu führen.
Der portugiesische Justizminister Alberto Costa wies Amarals Vorwürfe zurück - die portugiesischen und britischen Ermittler arbeiteten gut zusammen, betonte der Minister am Rande eines Treffens mit seinen Amtskollegen aus den anderen EU-Staaten.
Der abgesetzte Chefermittler hatte sich bei seinen Vorwürfen auf britische Presseberichte über eine anonyme E-Mail bezogen, die das Büro von Kronprinz Charles erhalten hatte. In dem Schreiben wurde die Theorie verbreitet, Madeleine sei von einem Zimmermädchen aus der Ferienwohnung der Eltern an der Algarve-Küste gekidnappt worden.
Amaral behauptete gegenüber der Zeitung "Diário de Notícias" die McCanns würden hinter dieser E-Mail stecken. "Jeder kann sich denken, woher die E-Mail stammt", sagte der Beamte. "Die Geschichte mit der Entführung durch ein Zimmermädchen ist eine weitere Erfindung der McCanns." Der Beamte warf seinen britischen Kollegen vor, solchen - in Portugal als völlig unglaubwürdig eingestuften - Hinweisen nachzugehen. "Die Ermittler in Großbritannien vergessen, dass die Eltern im Verdacht stehen, mit dem Tod ihrer Tochter zu tun gehabt zu haben." Ähnliche Vorwürfe hatte bereits die Gewerkschaft der portugiesischen Kriminalbeamten gegen die McCanns erhoben: Sie legten falsche Spuren, behinderten die Aufklärung des Falls.
Ein portugiesischer Anwalt der McCanns, Carlos Pinto Abreu, warf Amaral in einem Radiointerview Geschmacklosigkeit vor. Seine Kommentare seien nicht hilfreich für die Ermittlungen. Ein Sprecher der zuständigen Polizei in Leicestershire erklärte, man werde die portugiesischen Behörden bei ihren Ermittlungen weiter unterstützen.
Die vierjährige Madeleine war am 3. Mai aus einer Ferienwohnung an der Algarve-Küste spurlos verschwunden. Die Polizei in Portugal geht davon aus, dass das Mädchen in der Wohnung zu Tode kam und die Eltern die Leiche versteckten.
flo/jjc/dpa/AP