Ermittlungen in Hamburg Reemtsma-Entführer stürzte an der Algarve in den Tod

Ein Entführer des Hamburger Millionenerben Reemtsma ist unter mysteriösen Umständen gestorben. Bereits vor einem Jahr stürzte Wolfgang Koszics in Portugal von einer Klippe. Erst jetzt wird der Fall bekannt.
Starb in Portugal: Reemtsma-Entführer Wolfgang Koszics (links)

Starb in Portugal: Reemtsma-Entführer Wolfgang Koszics (links)

Foto: Pool/Michael_Probst/ picture-alliance / dpa

Hamburg - Einer der Entführer des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma ist in Portugal unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung. Bei dem Toten handelt es sich um Wolfgang Koszics.

Im März 1996 hatte eine vierköpfige Bande den Zigarettenerben und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma entführt. Nach 33 Tagen ließen die Täter Reemtsma für umgerechnet etwa 15,3 Millionen Euro unverletzt frei. Es war das bis dahin höchste Lösegeld, das in Deutschland gezahlt wurde. Vom Großteil des Geldes fehlt bis heute jede Spur. Das Hamburger Landgericht verurteilte Koszics 1997 wegen erpresserischen Menschenraubs zu zehneinhalb Jahren Haft.

Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt seit Juni 2014

Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft SPIEGEL ONLINE sagte, wurde die Leiche von Koszics bereits am 10. Februar 2014 gefunden. Er sei an der Algarve von einer Klippe gestürzt. Im Mai erhielt das Landeskriminalamt Hamburg über einen Verbindungsbeamten in der deutschen Botschaft in Lissabon Kenntnis von dem Fall. Wegen der ungeklärten Todesursache leitete die Hamburger Staatsanwaltschaft am 19. Juni 2014 ein Todesermittlungsverfahren ein.

Das Ergebnis steht noch aus. Im Falle eines Fremdverschuldens würde ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung soll Koszics zum Zeitpunkt seines Todes viel Alkohol im Blut gehabt haben. Seine Leiche solle jetzt obduziert werden. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft wollte zu konkreten Ermittlungsschritten nichts sagen.

Koszics war nach Überzeugung der damaligen Richter an der Planung des Verbrechens beteiligt. Er bewachte das Opfer in dessen Versteck und wusch einen Teil des Lösegelds. Drahtzieher Drach war zwei Jahre nach der Entführung in Buenos Aires in Argentinien gefasst worden. Später wurde er nach Deutschland ausgeliefert.

Vom Hamburger Landgericht wurde Drach 2001 zu einer Gefängnisstrafe von 14 Jahren und sechs Monaten verurteilt. Angerechnet wurde die Haftzeit in Argentinien. Im Oktober 2013 kam Drach nach Verbüßung seiner Strafe frei. Zum Verbleib des Lösegelds schwieg er.

sms/dpa/AFP
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.