Vorfall in Potsdam 40-Jähriger soll Ukraine-Solidaritätsplakat beschädigt haben

Ein Mann hat in Potsdam mutmaßlich ein Kunstwerk zerstört und russische Propaganda verbreitet. Es ist vermutlich nicht die erste Tat des Verdächtigen.
Porträts ukrainischer Flüchtlingsfrauen an der Baustelle an der Garnisonkirche (25. Februar)

Porträts ukrainischer Flüchtlingsfrauen an der Baustelle an der Garnisonkirche (25. Februar)

Foto: Martin Müller / IMAGO

Ein 40-Jähriger soll ein Kunstwerk an der Baustelle der Potsdamer Garnisonkirche beschädigt haben. Der Mann stehe im Verdacht, in der Nacht zum Sonntag am Baugerüst des Kirchturms ein Großplakat der Künstlerin Julia Krahn zerstört zu haben, berichtete die Polizeidirektion West. Seit Mittwoch waren zwei 20 Meter hohe Großplakate mit ukrainischen Frauen als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine zu sehen.

Der Verdächtige ist den Ermittlern zufolge ukrainischer Staatsbürger. Er gehöre offenbar der russischen Minderheit in dem Land an, sagte ein Sprecher dem SPIEGEL.

Der Mann habe sich bei der Tat selbst gefilmt und das Video in sozialen Medien verbreitet, teilte die Polizei weiter mit. Er habe das Gesicht einer Frau herausgeschnitten und ein eigenes Plakat mit einer Botschaft zum Krieg in der Ukraine angebracht. Der Kommunikationsvorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam, Wieland Eschenburg, sagte den »Potsdamer Neuesten Nachrichten«  dazu: »Sinngemäß stand dort: ›Die Ukraine gibt es nicht. Geschrieben mit dem Blut des Donbas‹«.

Verdächtig in weiteren Fällen

Der 40-Jährige sei offenbar unbemerkt vom Wachschutz in die gesicherte Baustelle eingedrungen. Ein politischer Hintergrund werde geprüft, so die Polizei. Gegenstand der Ermittlungen sei auch, ob der Mann allein gehandelt habe.

Außerdem werde geprüft, ob ein Zusammenhang mit weiteren Taten im Potsdamer Stadtgebiet bestehe, teilte die Polizei mit.  Bereits in der vergangenen Woche war der Mann als Tatverdächtiger ermittelt worden, der auf dem Turm des alten Landtagsgebäudes auf dem Brauhausberg eine russische Fahne und Z-Symbole angebracht haben soll. Das Z steht für »Za pobedu« – »Für den Sieg«. Es wird auch außerhalb des Kriegsgebiets auf Gebäuden, an Autos und auf Kleidung sowie in sozialen Medien zur Unterstützung des Angriffskriegs gezeigt.

In diesem Fall ermittele der Staatsschutz, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion West. Auch den aktuellen Fall an der Garnisonkirche solle der Staatsschutz übernehmen.

Der Sprecher der Stiftung Garnisonkirche, Eschenburg, sagte, der 40-Jährige solle im vergangenen August auch eine Ukrainefahne abgeschnitten haben, die als Zeichen der Solidarität am Baugerüst gehangen habe. Auch wegen dieser Tat werde gegen den Mann ermittelt, bestätigte der Polizeisprecher.

»Der genaue Tatzeitpunkt wird sich noch feststellen lassen«

Das zweite Großplakat wurde nach der Zerstörung ebenfalls abgehängt, weil beide Plakate inhaltlich zusammengehörten, so Eschenburg. Nach seinen Angaben hatte der Wachschutz in der Nacht zwei Versuche von Unbekannten verhindern können, in die Baustelle einzudringen, ohne einen Verdächtigen zu fassen. Möglicherweise habe der Täter dann auf einen günstigeren Moment gewartet.

»Der genaue Tatzeitpunkt wird sich aber noch feststellen lassen, weil eine Webcam vom Hotel Mercure schräg gegenüber alle 15 Minuten ein Bild macht«, sagte Eschenburg. Die Stiftung müsse nun prüfen, ob und zu welchen Kosten das Großplakat wieder gedruckt werden und wer die Finanzierung übernehmen kann.

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Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) zeigte sich empört. »Wer #Kunst zerstört, #Regenbogenfahnen entfernt, Putins Krieg gegen die #Ukraine verteidigt und sich dabei filmt, der attackiert damit unsere Art zu leben«, schrieb er bei Twitter. »Es ist wichtig, dass die Sicherheitsbehörden schnell ein Zeichen setzen.«

bbr/dpa
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