Prozess um getöteten Jungen Mutter nennt Mohamed vorsichtiges Kind

Mohameds Mutter sagt vor dem Landgericht Potsdam gegen den mutmaßlichen Mörder aus. Ihren vierjährigen Sohn beschreibt sie als umsichtig - der Angeklagte Silvio S. müsse ihn angelockt haben.

Silvio S. auf der Anklagebank (Archiv)
DPA

Silvio S. auf der Anklagebank (Archiv)


Der getötete Flüchtlingsjunge Mohamed wäre nach Aussage seiner Mutter nicht einfach so mit einem Fremden mitgegangen. "Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass dieser Mann mein Kind irgendwie angelockt haben muss", sagte die 29-Jährige im Strafprozess vor dem Landgericht Potsdam gegen den wegen zweifachen Kindsmordes angeklagten Silvio S.

Der gewaltsame Tod ihres vierjährigen Kindes habe bei ihr nach eigenen Worten zwei Fehlgeburten ausgelöst. "Ich kann bis heute nicht schlafen", sagte die Mutter. "Ich bin nonstop in Therapie." Auch die neunjährige Schwester von Mohamed leide demnach seither unter Schlaflosigkeit.

Mohamed war vergangenen Oktober verschwunden, als seine Mutter einen Behördengang beim Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) erledigte. "Als ich das Amt betrat, war er weg", sagte die Frau am vierten Prozesstag. Sie habe fest geglaubt, er sei zum nahen Flüchtlingskindergarten gelaufen. Auch im Flüchtlingsheim sei er manchmal kurz um die Ecke gegangen, aber immer zurückgekehrt.

Familie will 50.000 Euro Schmerzensgeld von Silvio S.

Mohamed sei ein fröhliches Kind gewesen, sagte die Mutter im Gerichtssaal den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" zufolge. Als sie ihr Kind nicht wiederfand, wurde sie demnach ängstlich, die Polizei kam hinzu. Auf Bildern einer Überwachungskamera habe sie ihr Kind an der Seite von Silvio S. schließlich wiedererkannt.

Mohameds Familie will, dass der mutmaßliche Mörder auch ein Schmerzensgeld für die Leiden Jungen in seinen letzten Lebensminuten zahlen muss. Als Erbin des Kindes solle seine Mutter mindestens 50.000 Euro erhalten, sagte Nebenklage-Anwalt Andreas Schulz am Rande des Prozesses. Der Gesetzgeber sehe zwar kein Schmerzensgeld für den Tod an sich vor, jedoch seien für die Leiden des Jungen vor dem Tod Ansprüche geltend zu machen. Zudem solle festgestellt werden, dass der Angeklagte künftig für mögliche Spätfolgen bei den zwei Geschwistern von Mohamed aufkommen müsse.

Silvio S. ist laut Anklage für zwei der erschütterndsten Verbrechen der vergangenen Jahre verantwortlich: Demnach entführte der 33-Jährige am 8. Juli 2015 den sechsjährigen Elias vor dem Wohnblock, vor dem er spielte. Er soll den Jungen betäubt, geknebelt, missbraucht und anschließend getötet haben. Knapp drei Monate später soll er Mohamed mit einem Plüschtier vom Gelände des Lageso gelockt haben. Der Wachmann aus Brandenburg soll den Jungen schließlich mit einem Gürtel erwürgt haben.

Fotostrecke

7  Bilder
Elias und Mohamed: Zwei Jungen verschwinden

apr/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.