Großeinsatz in Potsdam Pflegehelferin soll vier Menschen getötet haben – Ehemann rief die Polizei

Vier hilfsbedürftige Menschen soll eine Frau in einer Potsdamer Einrichtung für Schwerbehinderte getötet haben, nach SPIEGEL-Informationen alarmierte ihr Ehemann die Polizei. Vieles an dem Fall ist noch unklar.
Tatort Oberlinhaus: Polizeieinsatz in Potsdam

Tatort Oberlinhaus: Polizeieinsatz in Potsdam

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Es war ein Anruf am Mittwochabend, der in Potsdam einen Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften auslöste. Nun ermitteln die Behörden in einem Fall, den lokale Medien als das »wohl schwerste Tötungsdelikt« in der Stadt seit Jahrzehnten bezeichnen.

In einer Einrichtung fanden die Einsatzkräfte vier Leichen sowie eine schwer verletzte Person in verschiedenen Zimmern einer Station. Die Polizei nannte als Todesursache »schwere, äußere Gewaltanwendung«. Bereits wenig später wurde eine dringend tatverdächtige 51-Jährige festgenommen. Über ein mögliches Tatmotiv ist bislang nichts bekannt. »Derzeit finden umfangreiche Spurensicherungen statt«, hieß es am Morgen von den Ermittlern.

Die Beschuldigte soll nach SPIEGEL-Informationen seit mehr als 20 Jahren als Pflegehelferin beim Verein Oberlinhaus tätig sein und Patienten betreuen. Ersten Ermittlungen zufolge soll die Frau am Mittwochabend ihrem Ehemann berichtet haben, auf der Arbeit mehrere Menschen getötet zu haben. Daraufhin hätte der Ehemann sofort die Polizei alarmiert.

»Ein schwerer Tag für Brandenburg«

Demnach stellten Einsatzkräfte gegen 21.15 Uhr auf der betreffenden Station vier Tote sowie eine schwer verletzte Person fest, die sofort reanimiert und in ein Krankenhaus gebracht wurde. Alle Opfer wiesen Spuren massiver Gewalteinwirkung auf, heißt es aus Sicherheitskreisen. Der »Bild«-Zeitung zufolge  halten die Ermittler ein Messer für die Tatwaffe. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es aber noch nicht.

Die vier Todesopfer waren nach Angaben der diakonischen Einrichtung langjährige Bewohner. Zwei von ihnen hätten dort seit ihrer Kindheit gelebt, sagte Tina Mäueler, Bereichsleiterin Wohnen in den Oberlin Lebenswelten.

Auch bei der Schwerverletzten handelt es sich der Einrichtung zufolge  um eine Bewohnerin. Demnach kam es zu dem Vorfall im »Thusnelda-von-Saldern-Haus der Oberlin Lebenswelten«. Dies ist eine Wohnstätte für Erwachsene mit mehrfachen schweren Behinderungen, kein Krankenhaus, wie eine Sprecherin miteilte. Zunächst hatte die Polizei davon gesprochen, die Leichen seien in einer Klinik gefunden worden.

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Der Verein Oberlinhaus beschreibt sich auf seiner Website als diakonisches »Kompetenzzentrum für Teilhabe, Gesundheit, Bildung und Arbeit in der Region Berlin-Brandenburg«.

Der Vorfall stelle eine große Erschütterung dar, »das hat uns schon die Beine weggehauen«, sagte der theologische Vorstand des Oberlinhauses, Matthias Fichtmüller. Am Abend soll eine Gedenkandacht in der Oberlinkirche stattfinden.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke zeigte sich bestürzt. »Eine schreckliche Nachricht. Ich bin schockiert«, sagte der SPD-Politiker nach Angaben von Regierungssprecher Florian Engels. »Meine Gedanken gelten den Opfern und meine Anteilnahme den Angehörigen.« Im Privatsender BB Radio sprach er von einer grauenhaften und fürchterlichen Tat: »Es ist ein schwerer Tag für Brandenburg.«

Auch Vizekanzler Olaf Scholz zeigte sich erschüttert. Die »furchtbaren Nachrichten« aus Potsdam träfen ihn, schrieb der SPD-Politiker auf Twitter . »Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer.«

mxw/srö/dpa
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