Mordprozess gegen Heinrich Scholl Lebenslange Haft für Ex-Bürgermeister gefordert

Im Prozess um den früheren Bürgermeister von Ludwigsfelde hat der Staatsanwalt lebenslange Haft gefordert. Die Indizien belegten, dass Heinrich Scholl 2011 seine Ehefrau mit einem Schnürsenkel erdrosselt habe. Die Verteidigung fordert weiter den Freispruch des 70-Jährigen.


Potsdam - Der ehemalige Bürgermeister von Ludwigsfelde Heinrich Scholl soll lebenslang in Haft. Die Staatsanwaltschaft beantragte vor dem Potsdamer Landgericht, ihn wegen Mordes zu verurteilen. Dem 70-Jährigen wird vorgeworfen, seine Ehefrau Ende Dezember 2011 erdrosselt zu haben.

Viele Indizien belegten diese Tat, sagte Staatsanwalt Gerd Heininger in seinem über zweistündigen Plädoyer. Das wichtigste Beweisstück sind laut Heininger DNA-Spuren an einem Schnürsenkel, mit dem Brigitte Scholl (67) erdrosselt wurde. "Dies ist für mich der eindeutigste Beleg der Täterschaft", sagte der Staatsanwalt. Heininger geht zudem von Heimtücke aus. Scholl habe seine Frau unvermittelt angegriffen, sie sei arg- und wehrlos gewesen.

Nebenkläger-Anwalt Sven Rasehorn, der den Sohn des Paares vertritt, plädierte auf Totschlag, ein Mord sei dem Angeklagten nicht nachzuweisen. Sein Mandant ist allerdings auch sicher: Seine Mutter musste sterben, weil der Vater nicht länger die zerrüttete Ehe ertragen wollte und sich durch seine thailändische Geliebte in finanzielle Bedrängnisse gebracht hatte.

Scholls Verteidiger sehen die Schuld ihres Mandanten keinesfalls durch die Indizien bewiesen und forderten Freispruch. Zugleich schlossen sie die Möglichkeit einer Verurteilung jedoch nicht aus. Dann käme nur Totschlag in Frage, so Anwältin Heide Sandkuhl. Angesichts der zerrütteten Ehe und der aufgehetzten Stimmung sei in diesem Fall zudem von einer Tat im Affekt auszugehen.

Scholl muss sich seit vergangenem Oktober wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der Ex-Bürgermeister von Ludwigsfelde beteuert seine Unschuld. Er hat jedoch kein Alibi. Während der Beweisaufnahmen wurden bereits mehr als hundert Zeugen und sieben Sachverständige gehört. Das Urteil soll am 7. Mai verkündet werden.

gam/dpa



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