Provinzposse Beamte lassen sich elf Pistolen stehlen

Peinliche Panne im baden-württembergischen Crailsheim: Unbekannte haben aus dem Tresorraum des Rathauses elf Pistolen gestohlen, die Bürger nach dem Amoklauf von Winnenden freiwillig zurückgegeben hatten. Die Beamten hatten die Panzertür nicht ordnungsgemäß verriegelt.

Hamburg - Zu den meistdiskutierten Fragen nach dem Amoklauf von Winnenden gehörte diejenige, wo und wie deutsche Sportschützen ihre Waffen aufzubewahren haben. Mancher Experte sprach sich dafür aus, die Pistolen und Gewehre künftig in den Vereinsheimen lagern zu lassen. Andere fanden, der Staat solle die legalen Schießeisen an gut gesicherten Orten verwahren. Mittlerweile jedoch sieht es so aus, als bliebe alles beim Alten - und die Knarren liegen weiter daheim.

Vielleicht ist das nicht die schlechteste aller Varianten, wie eine peinliche Begebenheit aus dem baden-württembergischen Crailsheim nun vermuten lässt. Dort haben unbekannte Einbrecher elf Pistolen samt passender Munition aus dem Rathaus stehlen können. Waffenbesitzer hatten die Schießeisen der Kaliber 6,35 mm, 7,62 mm und 9 mm nach dem Winnender Schulmassaker freiwillig zurückgegeben. Die Pistolen sollten an diesem Donnerstag vernichtet werden.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler stiegen die oder der Einbrecher irgendwann am vergangenen Donnerstag (Fronleichnam) zwischen elf Uhr vormittags und 6.30 Uhr am darauffolgenden Freitag in das Rathaus ein. Im Ordnungsamt brachen sie Schränke und Schreibtische auf, wie der Sprecher der zuständigen Polizeidirektion Schwäbisch-Hall, Hans Ulrich Stuiber, SPIEGEL ONLINE sagte. Sie fanden darin 2000 Euro in bar und die beiden Schlüssel zum Tresorraum der Stadtverwaltung.

Dort machten sich die Diebe dann eine Schlamperei der Beamten zunutze. Das Zahlenschloss der Panzertür, in die zusätzlich die beiden Schlüssel gesteckt werden mussten, war nach dem letzten Schließen nicht verdreht worden. Es zeigte noch immer die gültige Kombination an. Die Unbekannten hatten leichtes Spiel und hebelten - vermutlich mit einem Schraubenzieher - schnell den Waffenschrank auf. "Das ist schon sehr peinlich", so Polizist Stuiber, "ich bin ziemlich entsetzt."

Die Crailsheimer Stadtverwaltung teilte auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage mit, es seien nun "zusätzliche Sicherungssysteme" eingeführt worden, "die verhindern, dass sich ein derartiger Vorfall wiederholen kann". Die Ermittler bitten derweil um Hinweise, wem die Waffen bereits angeboten worden sind. Und Polizeihauptkommissar Stuiber wünscht sich, "dass damit kein Unheil angerichtet wird".

Wie schon beim Eislinger Vierfachmord, bei dem die mutmaßlichen Täter ihre Waffen aus dem Clubhaus eines Schützenvereins stahlen, hat sich nun auch in Crailsheim erwiesen, was der Bundesinnenminister stets betont: Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit - auch nicht für die Lagerung von Schusswaffen.

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