Prozess 15-Jähriger gesteht Mord an Ex-Freundin

Er soll sein Opfer in einen Partykeller gelockt und dort fünfmal auf sie eingestochen haben: Jetzt hat ein minderjähriger Hauptschüler vor dem Landgericht Mönchengladbach gestanden, seine gleichaltrige Freundin getötet zu haben. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.


Mönchengladbach - Die Staatsanwaltschaft wirft dem jugendlichen Angeklagten vor, Valerie am 2. Dezember 2007 mit mehreren Messerstichen getötet zu haben, weil sie sich von ihm trennen wollte. Der 15-jährige Christoph aus Grevenbroich räume alle Anklagevorwürfe ein, berichtete sein Verteidiger am Dienstag vor dem Landgericht Mönchengladbach.

Die Kammer verhandelt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nach bisherigem Kenntnisstand waren die beiden Teenager nur wenige Wochen ein Paar. Kurz vor der Bluttat hatte Valerie ihrem Freund gestanden, sich in einen anderen Jungen verliebt zu haben.

Christoph soll sie daraufhin unter dem Vorwand, eine Überraschung für sie zu haben, in einen Partykeller gelockt haben. Dort bat er sie, sich auf eine Trainingsmatte zu legen und verband ihr die Augen. Dann rammte er dem Mädchen das Messer laut Anklage zunächst in den Bauch und stach dann nach kurzem Zögern noch mehrfach auf das Opfer ein. Valeries Eltern zufolge habe ihre Tochter keinen Verdacht geschöpft, weil der Hauptschüler ihr wenige Tage zuvor ebenfalls die Augen verbunden und als Überraschung einen Blumenstrauß präsentiert hatte.

Den letzten Stich soll der Junge der Staatsanwaltschaft zufolge bewusst in den unteren Halsbereich gesetzt haben, um den Tod des Mädchens zu beschleunigen. Laut Obduktion war aber bereits der erste Stich tödlich, da er die Bauchhauptschlagader getroffen hatte. Die 15-Jährige erlag noch am selben Abend im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Der Lebensgefährte von Christophs Mutter hatte zufällig in den Partyraum geschaut und das blutüberströmte Mädchen entdeckt. Der 15-Jährige flüchtete, wurde aber kurz darauf mit blutigen Händen in der Nähe des Tatorts festgenommen. Er bestritt das Verbrechen zunächst, legte aber schließlich ein Geständnis ab. Die Tatwaffe, ein Küchenmesser mit 12,5 Zentimeter langer Klinge, war im Partykeller entdeckt worden.

Verteidiger Lutz Bartsch erklärte vor Gericht, der Junge habe sich in den vergangenen Jahren in die Welt gewalttätiger Videospiele wie "Grand Theft Auto" zurückgezogen. "Er hat nur noch mit Ballerspielen gelebt", so der Anwalt. Bis zu 13 Stunden am Tag habe der Schüler vor dem Rechner verbracht. "Er konnte nicht mehr unterscheiden, was real ist und was nicht." Das Gericht will sich im Prozess daher solche Computerspiele anschauen, um sich ein Bild zu machen.

Der Angeklagte hatte zum Zeitpunkt der Tat laut Gericht die 8. Klasse einer Hauptschule in Grevenbroich besucht, jedoch seit mehreren Monaten nicht mehr am Unterricht teilgenommen.

Der Anwalt der Eltern des Opfers, Axel Voos, sagte am Rande der Verhandlung: "Die Familie hat sich vollkommen zurückgezogen. Ihr normales Leben hat aufgehört zu existieren." Den Angeklagten erwarten nach Jugendstrafrecht bis zu zehn Jahre Gefängnis. Der Prozess wegen Mordes wird an diesem Donnerstag fortgesetzt.

ala/dpa/AP



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