Prozess Angeklagter sagt zu Vierfachmord von Eislingen aus

Im Prozess um den Vierfachmord an einer Familie in Eislingen hat erstmals einer der beiden Angeklagten ausgesagt. Der 19-jährige Frederik B., der mit seinem Freund dessen Eltern und Schwestern getötet haben soll, sprach vor allem von früheren gemeinsamen Taten.


Ulm - Die beiden Angeklagten sollen in der Nacht zum Karfreitag die Eltern und Schwestern von Andreas H. mit 30 Schüssen ermordet haben - aus Habgier. Laut Anklage wollte der damals 18-jährige H. das sechsstellige Vermögen seiner Eltern an sich bringen. Daran wollte er seinen Freund, den 19-jährigen Frederik B., beteiligen. Seit Montag müssen sich die beiden dafür vor dem Landgericht Ulm verantworten.

Am zweiten Prozesstag hat nun erstmals einer der beiden Angeklagten vor der Jugendkammer des Landgerichts ausgesagt. Bei der Aussage ging es vor allem um Einbrüche und Diebstähle, die Frederik B. mit dem mitangeklagten Sohn der getöteten Familie begangen haben soll, als sie noch nicht volljährig waren. Im Sommer 2007 seien sie in eine Schule in Eislingen eingebrochen und hätten einen Computer und einen Beamer entwendet, hieß es. Ferner seien sie zweimal in ein Vereinsheim und im Herbst 2008 in einen Supermarkt eingebrochen. In dem Discounter stahlen sie laut Anklage einige hundert Euro sowie Alkohol.

Die beiden Schulfreunde verübten die Einbrüche nach Darstellung des Anwalts von Andreas H. aus Abenteuerlust. Sie entwendeten Zigaretten, obwohl sie nicht rauchten, sagte Anwalt Hans Steffan in einer Verhandlungspause zu der Aussage von B., die unter Ausschluss der Medienvertreter erfolgte.

Nächste Aussage für den 4. November erwartet

Die beiden 19 Jahre alten Angeklagten sollen am 9. April 2009 im Haus der Familie zunächst die beiden Schwestern von Andreas H. im Alter von 22 und 24 Jahren getötet haben, die gerade fernsahen.

Anschließend gingen sie laut Anklage in ein Lokal, in dem die Eltern von Andreas H. zu Gast waren, und setzten sich eine Weile zu ihnen an den Tisch. Sie verließen die Gaststätte vor den Eltern, warteten im Haus der Familie auf den 57 Jahre alten Vater und die 55 Jahre alte Mutter und erschossen diese, als sie nach Hause kamen. Am nächsten Tag gaben Andreas H. und Frederik B. vor, die Leichen entdeckt zu haben. Die Waffen sollen die beiden Angeklagten zusammen mit 17 weiteren Schusswaffen ein halbes Jahr zuvor in einem Schützenheim gestohlen haben.

Laut Anklage wollte Andreas H. zu Hause ausziehen und das Vermögen seiner Eltern - 256.000 Euro - erben.

Frederik B. hat die Tat schon bei der Polizei gestanden. Er sagte: "Wir waren das zusammen." Er verriet auch das Versteck der Waffen und Kleidung im Wald.

Andreas H. will sich beim nächsten Verhandlungstermin am 4. November zu den Vorwürfen äußern. Er hat bislang offiziell geschwiegen und erklärte sich erst kurz vor Prozessbeginn bereit, mit dem Psychiater zu sprechen. Sein Verteidiger hatte erklärt: "Die Tatvorwürfe werden von meinem Mandanten im Prozess nicht bestritten."

Das Urteil wird voraussichtlich am 27. Januar 2010 verkündet.

siu/Ap/dpa/ddp



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