Prozess Charité-Schwester zu lebenslanger Haft verurteilt

Wegen fünffachen Mordes an schwer kranken Patienten hat das Berliner Landgericht die Charité-Krankenschwester Irene B. zu lebenslanger Haft verurteilt. Die 54-Jährige hatte ihre Opfer durch Überdosen von Medikamenten getötet.


Berlin - Das Berliner Landgericht sah es bei seinem Urteil als erwiesen an, dass die 55-Jährige schwer kranke Patienten mit einer Medikamentenüberdosis tötete. Damit kam die Kammer fast dem Urteil nach, dass die Staatsanwaltschaft wegen Mordes an wehrlosen Patienten gefordert hatte.

Dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die besondere Schwere der Schuld festzustellen und damit eine Entlassung der Frau nach 15 Jahren auszuschließen, folgte das Gericht nicht. Von den Vorwürfen eines weiteren Mordes sowie zweier Mordversuche wurde die Angeklagte freigesprochen.

Ohne äußere Regung hörte sie der Urteilsverkündung zu. Sie stand kerzengerade an ihrem Platz und hatte die Hände auf den Tisch vor sich gelegt. Ihre Miene verzog sie dabei zu keinem Moment.

Die Richter folgten mit dem Urteil in weiten Teilen der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Krankenschwester habe sich "gottgleich als Herrscherin über Leben und Tod aufgespielt", hatte es im Plädoyer der Anklagebehörde geheißen. Die Staatsanwaltschaft bewertete die Todesfälle durch Überdosierung von Medikamenten in sechs Fällen als Mord aus niedrigen Beweggründen, einen siebten Fall stufte sie als versuchten Totschlag ein. Ein weiterer Patient starb nicht an der Giftspritze.

Die Verteidigung hatte dagegen auf Totschlag in den vier Fällen, die die 54-jährige Irene B. gestanden hatte, plädiert - ohne ein konkretes Strafmaß zu benennen. Insgesamt ging es in dem Prozess um den Tod von acht schwer kranken Patienten im Alter von 48 bis 77 Jahren auf der kardiologischen Intensivstation der Berliner Charité. Sie starben zwischen Juni 2005 und Oktober 2006.

Die ehemalige Krankenschwester hatte angegeben, sie habe nach dem Willen der Patienten und zu deren Wohl gehandelt.

Ein Gutachter hatte die 54-Jährige vergangene Woche als voll schuldfähig bezeichnet. Allerdings leidet sie an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung und gilt als psychisch instabil. Die Mordserie auf einer Intensivstation von Europas größtem Universitätsklinikum hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht.

jjc/AP/ddp/dpa



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