Prozess gegen Brüder Abou-Chaker Mysteriöse Audiodatei – Bushido bleibt bei Manipulationsvorwurf

Bushido lebt in Dubai, für eine Befragung im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker kehrte er nun nach Berlin zurück. Doch wirklich hilfreich verläuft der Termin nicht.
Bushido im August im Berliner Landgericht: Seit mehr als zwei Jahren läuft der Prozess

Bushido im August im Berliner Landgericht: Seit mehr als zwei Jahren läuft der Prozess

Foto: Monika Skolimowska / dpa

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Von Wiedersehensfreude kann keine Rede sein. Ende August ist Bushido mit Frau und Kindern nach Dubai gezogen. An diesem Montag ist der Rapper zurück in Deutschland, zurück im Saal 500 des Kriminalgerichts Berlin. Erneut muss Anis Ferchichi, wie der 44-Jährige mit bürgerlichem Namen heißt, im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder aussagen. Die Verteidigung hat das Fragerecht, Bushido wirkt prozessmüde. Die Wortwahl ist höflich, der Ton gereizt.

Es geht noch immer um eine heimliche Audioaufnahme. Laut Verteidigung soll es sich um den Mitschnitt eines Treffens von Bushido und Arafat Abou-Chaker am 18. Januar 2018 in ihrem Büro in der Puderstraße in Berlin-Treptow handeln. Laut Bushido ist die Aufnahme manipuliert und gibt nicht das gesamte Geschehen wieder.

Der Chef eines Berliner Clans soll den Rapper damals mit Plastikflasche und Stuhl attackiert, ihn eingesperrt, bedroht und beleidigt haben. Abou-Chaker soll nicht akzeptiert haben, dass Bushido die Zusammenarbeit beenden wollte. Unter anderem wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung und Freiheitsberaubung muss sich Abou-Chaker seit mehr als zwei Jahren vor der 38. Großen Strafkammer des Landgerichts Berlin verantworten.

Auf der rund zweistündigen Aufnahme ist ein wütender Arafat Abou-Chaker zu hören, der sich von Bushido vernachlässigt fühlt und dem Rapper vorwirft, sich heimlich mit anderen Männern zu treffen. Es klingt wie eine Eifersuchtsszene, doch es geht ums knallharte Geschäft. Abou-Chaker schreit und beleidigt. Als sein vermeintlicher Rivale, Veysel K., den Raum betritt, eskaliert die Situation vollends. Die Männer brüllen sich an. Noch bemerkenswerter ist jedoch, was auf dem Tondokument nicht zu hören ist.

Ein Gutachter soll Klarheit bringen

Die Drohungen, an die Bushido sich noch nahezu wörtlich erinnern will, spricht Abou-Chaker nicht aus. Und dass eine Flasche und ein Stuhl in die Richtung des Rappers fliegen, lässt sich anhand der Aufnahme nicht feststellen. Der Mitschnitt scheint Bushido Lügen zu strafen. Doch ist er authentisch?

Das Gutachten eines digitalen Forensikers aus Wien soll Klarheit bringen. Ob der Sachverständige tatsächlich feststellen wird, dass die Audiodatei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – dem höchsten Grad gutachterlicher Festlegung – manipuliert oder nicht manipuliert ist, bleibt abzuwarten. Es wird noch dauern, bis das Gutachten vorliegt. Frühestens Ende dieses, eher Anfang nächsten Jahres dürfte es so weit sein.

Arafat Abou-Chakers Verteidiger, Hansgeorg Birkhoff, versucht, die Authentizität des Mitschnitts an diesem Montag durch die Befragung Bushidos zu bekräftigen. Doch der Rapper hilft nicht mit.

Da waren sie noch ein Team: Bushido und Arafat Abou-Chaker bei der Premiere von »Zeiten ändern dich«, der Verfilmung der Biografie des Rappers (Februar 2010)

Da waren sie noch ein Team: Bushido und Arafat Abou-Chaker bei der Premiere von »Zeiten ändern dich«, der Verfilmung der Biografie des Rappers (Februar 2010)

Foto: Jens Kalaene / DPA

Der Verteidiger lässt die ersten Minuten der Datei abspielen. Geschirrgeklapper und Stimmengewirr ertönen im Saal. Die Tonqualität ist miserabel. Bushido zieht sich die Kapuze seines Hoodies über den Kopf, um seine Ohren vor der dröhnenden Lautstärke aus den Lautsprechern zu schützen, die direkt vor ihm stehen. Der Richter bittet ihn, sie abzunehmen.

Die Befragung verpufft

Auf der Aufnahme spricht eine Assistentin, die noch heute für Arafat Abou-Chaker arbeitet. Zu hören ist, dass sie den anwesenden Männern Getränke anbietet. Bushido lehnt ab.

Vor Gericht erkennt Bushido die Stimme der Frau. Er erkennt auch sich selbst. »Das Problem ist, dass das nicht der 18. Januar 2018 war«, sagt Bushido. Die Assistentin sei angeblich gar nicht im Büro gewesen, als er sich damals mit Abou-Chaker traf.

Nach Überzeugung der Verteidigung bittet Arafat Abou-Chaker auf der Aufnahme wenig später Bushido, ein Formular für eine Versicherung auszufüllen. Anwalt Birkhoff fragt, ob er sich daran erinnere, eine Versicherung abgeschlossen zu haben, die die Kosten übernimmt, wenn eine Tour etwa im Fall einer Erkrankung des Künstlers ausfällt. »Das kann ich Ihnen nicht beantworten«, sagt der Rapper. Er erinnere sich an einen derartigen Vorgang nicht.

Tatsächlich wurde im April 2018 eine Konzerttour von Bushido abgesagt. Der Verteidiger fragt nach dem Grund. Bushido sagt, er habe nach dem Vorfall am 18. Januar 2018 einen »Psychologen« aufgesucht. Dieser habe ihm damals »ein Attest« ausgestellt, ihn also krankgeschrieben. Das kann allerdings tatsächlich nicht stimmen. Anders als Psychiater dürfen Psychologen keine Atteste ausstellen. Vielleicht hat der Rapper sich lediglich in der Berufsgruppe geirrt. Bei der Klärung der eigentlichen Frage hilft all das ohnehin kaum weiter.

»Wir wissen immer noch nicht, ob die Audiodatei echt ist oder nicht«, stellt der Vorsitzende Richter fest.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.