Holocaustleugner Nächste Verfahrensrunde gegen Bischof Williamson

Weil der britische Bischof Richard Williamson in einem Interview den Holocaust leugnete, will ihn die deutsche Justiz zur Rechenschaft ziehen. Der Fall zieht sich schon seit Jahren hin - jetzt geht der Prozess in die fünfte Runde.

Bischof Williamson (im Februar 2009): "Ich glaube, es gab keine Gaskammern"
DPA

Bischof Williamson (im Februar 2009): "Ich glaube, es gab keine Gaskammern"


Regensburg - Richard Williamson meidet deutschen Boden: Vor fünf Jahren hatte der britische Geistliche in der Bundesrepublik den Holocaust geleugnet und sich damit strafbar gemacht. Seit dem Interview für einen schwedischen Fernsehsender hält sich der 73-Jährige lieber fern. Auch zur fünften Runde der juristischen Aufarbeitung seiner Aussagen fehlte der streitbare Ex-Bischof. Bei der Berufungsverhandlung vor dem Regensburger Landgericht wegen Volksverhetzung traten erneut nur seine Anwälte auf.

Williamson war im Januar vom Regensburger Amtsgericht zu 1800 Euro Geldstrafe verurteilt worden, weil er in dem TV-Interview die Existenz von Gaskammern und den Mord an sechs Millionen Juden durch die Nazis bestritten hatte. Wörtlich hatte er im Herbst 2008 im Priesterseminar der Piusbruderschaft nahe Regensburg gesagt: "Ich glaube, dass die historischen Beweise gewaltig dagegen sprechen, dass sechs Millionen Juden vorsätzlich in Gaskammern vergast wurden als vorsätzliche Strategie Adolf Hitlers. Ich glaube, es gab keine Gaskammern."

Dem 73-Jährigen werde vorgeworfen, von der Verbreitung des Interviews über Schweden hinaus gewusst und diese auch gewollt zu haben, sagten die Verteidiger Williamsons zum Prozessbeginn. Der ehemalige Bischof bestreite dies jedoch. Die Äußerungen seien weder in Schweden noch in Großbritannien verboten, betonte Rechtsanwalt Andreas Geipel. Die anschließende Verbreitung unter anderem über die Internetplattform YouTube könne Williamson nicht angelastet werden.

Erst im Vorjahr bei den Piusbrüdern ausgeschlossen

Die Äußerungen hatten auch in der katholischen Kirche für erheblichen Wirbel gesorgt. Papst Benedikt XVI. hatte just zu diesem Zeitpunkt im Zuge seiner Annäherung an die abtrünnigen Piusbrüder die Exkommunikation Williamsons aufgehoben. Erst im Vorjahr hatten die Piusbrüder reagiert und ihren damaligen Bischof aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen.

Die deutsche Justiz tut sich schwer mit dem Verfahren. Im Juli 2011 hatte das Landgericht Regensburg in zweiter Instanz eine Geldstrafe von 6500 Euro bestätigt. Das Oberlandesgericht Nürnberg kassierte das Urteil im vergangenen Februar jedoch aufgrund von Verfahrensmängeln, so dass der Fall erneut beim Amtsgericht und in der abermaligen Berufung nun wieder beim Landgericht Regensburg landete.

Wesentlich neue Erkenntnisse sind in diesem Berufungsprozess nicht zu erwarten. So erschienen die schwedischen Journalisten, die das Interview geführt hatten, nicht als Zeugen. Ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen hatte die schwedische Justiz abgelehnt. Williamsons Äußerungen stellten kein Verbrechen dar, daher verstoße der Antrag gegen die schwedischen Rechtsprinzipien.

Williamson habe das schwedische TV-Team ausdrücklich gebeten, das Interview nicht in Deutschland zu veröffentlichen, sagte Rechtsanwalt Geipel. "Sie wollen ja nicht, dass ich in Deutschland Ärger bekomme", soll der damalige Bischof gesagt haben. Außerdem hatte Williamson demnach wenige Stunden vor der Ausstrahlung versucht, diese zu verhindern. Dem sei der Sender aber nicht nachgekommen.

Das Landgericht Regensburg hat einen zweiten Verhandlungstag für den 23. September angesetzt. Dann ist unter anderem der Leiter des Priesterseminars in Zaitzkofen als Zeuge geladen, der das Interview vermittelt haben soll. An diesem Tag wird auch das Urteil erwartet.

rls/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.