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Jenaer Jugendpfarrer: Prozess gegen Lothar König abgebrochen

Foto: Joern Haufe/ Getty Images

Amtsgericht Dresden Prozess gegen Jugendpfarrer Lothar König geplatzt

Seit April muss sich der Jenaer Jugendpfarrer Lothar König wegen schweren Landfriedensbruchs vor Gericht verantworten. Jetzt ist der Prozess abgebrochen worden: Einem entsprechenden Antrag der Verteidigung gab der Richter statt.

Dresden - Paukenschlag im Prozess gegen den Jenaer Jugendpfarrer Lothar König: Die Verhandlung muss neu aufgerollt werden, der Richter gab einem entsprechenden Antrag der Verteidigung statt. Das bestätigte eine Sprecherin des Dresdner Amtsgerichts SPIEGEL ONLINE.

Grund für die Aussetzung des Verfahrens seien Ende Juni aufgetauchte Rohdaten von Bild- und Tonaufnahmen der Demonstrationen gegen einen Neonazi-Aufmarsch. Es handele sich um Videomaterial von mehr als 200 Stunden Länge, sagte die Sprecherin. Es bestünden Anhaltspunkte dafür, dass der Inhalt entlastend für den Angeklagten sei. Zunächst müssten aber alle Prozessbeteiligten das Material sichten.

König wird vorgeworfen, bei einer Anti-Nazi-Demonstration in Dresden zu Gewalt gegen Polizisten aufgerufen zu haben, was er bestreitet. Seit Anfang April verhandelt das Amtsgericht Dresden wegen schweren Landfriedensbruchs gegen den 59-Jährigen.

"Nicht zu sagen, wann es weitergeht"

Wann der Prozess gegen König von neuem beginnen kann, ist noch völlig offen. Einer Ankündigung des Richters, es solle in vier bis sechs Monaten weitergehen, wollte die Gerichtssprecherin nicht folgen. "Das kann ich nicht bestätigen", sagte sie. "Es ist noch nicht zu sagen, wann es weitergeht." Oder ob der Prozess überhaupt fortgesetzt wird: Es gebe nach dem Aussetzungsbeschluss mehrere juristische Möglichkeiten, erklärte die Sprecherin. Eine davon sei, dass das Gericht das Verfahren einstelle, eine andere, dass mit der Beweisaufnahme noch einmal völlig von vorne begonnen werde.

Königs Rechtsanwalt Johannes Eisenberg erklärte dem MDR zufolge, für die Sichtung des Videomaterials seien 400 bis 500 Arbeitsstunden notwendig - ein Aufwand, der parallel zur Hauptverhandlung nicht zu leisten sei.

Eisenberg hatte zuvor Polizisten der Fälschung bezichtigt, die an der Erstellung jenes Videomaterials beteiligt waren, auf das sich die Anklage stützt. Sie hätten Sequenzen manipulativ zusammengeschnitten. Das sei bei einer ersten Sichtung des nun vorgelegten Rohmaterials bereits sehr deutlich geworden.

Nachdem der Vorsitzende Richter das von Königs Anwälten bereitgestellte Roh-Video im Gerichtssaal hatte vorführen lassen, schloss sich auch die Staatsanwältin dem Antrag der Verteidigung auf Aussetzung des Prozesses an. Königs Verteidigung kündigte an, die Einstellung des Verfahrens zu beantragen.

rls/dpa

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