Prozess in Dubai Deutsche Mädchen sollen zur Prostitution gezwungen worden sein

Bei einer Razzia in Dubai ist ein chinesischer Menschenhändlerring aufgeflogen. Zwei Minderjährige aus Deutschland sollen von der Geliebten ihres Vaters in ein Bordell entführt worden sein. Jetzt stehen die mutmaßlichen Drahtzieher des organisierten Missbrauchs vor Gericht.

Vor dem Prozessgericht erster Instanz in Dubai wird derzeit der Fall der Schwestern F. und I. G. verhandelt. Die beiden Mädchen, heute 14 und 16 Jahre alt, wurden laut Staatsanwaltschaft über Jahre hinweg von Zuhältern missbraucht und zur Prostitution gezwungen. Angeklagt sind eine 40-jährige Chinesin und ihr 25-jähriger Landsmann M. Y., ein gelernter Schreiner.

Die beiden Mädchen stammen aus Deutschland. Ihr Vater hatte im Jahr 2004 im Emirat Umm al-Qaiwain, nördlich von Dubai, die Chinesin L.Y. kennengelernt und sich mit ihr angefreundet. Aus Gründen, über die bisher nichts zu erfahren war, vertraute er der Frau seine beiden Töchter an, damit sie bei ihr und ihrem Sohn in Dubai lebten. So begann der Leidensweg der Schwestern G.

"Im Dezember 2009", so die ältere Schwester gegenüber den Ermittlern, "schickte L.Y. meine jüngere Schwester zum Sex mit einem chinesischen Mann." Das Mädchen war damals zwölf Jahre und fünf Monate alt. Ihre Schwester musste mitkommen.

100.000 Dirhams für die Jungfräulichkeit

Beide Mädchen seien geschlagen worden und wurden in der Wohnung gefangen gehalten. Im Februar 2010, so F. G., habe ein Inder 100.000 Dirhams (etwa 20.000 Euro) für ihre Jungfräulichkeit geboten. "Er hatte Sex mit mir in L.Y.s Wohnung. Ich war da fünfzehn Jahre und elf Monate." Sie sei dann auch zu Sex mit einem Chinesen gezwungen worden.

Im April 2010 wurde L.Y., die Freundin des Vaters, festgenommen und des Landes verwiesen. Von ihr fehlt seither jede Spur. Jetzt kümmerte sich ihr Sohn um die beiden Schwestern. Er brachte die jüngere der beiden in ein Bordell in Dubais Altstadtbezirk Raffa. Das wurde geleitet von Z. Z., die dort mit zwei anderen Frauen ihre Kunden empfing.

Nach Angaben der Zeitung "The National" sei es F. G. im Juni 2010 gelungen, in das Nachbaremirat Ajman zu fliehen. Dort habe sie mit Hilfe eines Freundes ihrer Mutter versucht, an die Telefonnummer des Inders zu kommen. Es wurde ein Treffen vereinbart. Doch zur Verabredung tauchten die beiden Angeklagten Z. Z. und M. Y. auf und kidnappten das Mädchen. Die beiden Schwestern waren wieder vereint, doch gefangen in einem illegalen Bordell in Dubai.

Das ältere Mädchen hätte schließlich, so die "Khaleej Times", einen arabischen Bekannten anrufen können, der dann die Polizei benachrichtigte. Bei der anschließenden Razzia wurden die beiden festgenommen. Z. Z. soll den Menschenhändlerring geleitet haben, M. Y. nach eigenen Angaben nur für die Sicherheit und Kundschaft gesorgt. Wie aus diplomatischen Kreisen verlautete, sind die beiden Schwestern inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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