Prozess in Düsseldorf Der Zwillingsjoker

Ein Einbrecher aus Düsseldorf kann auf die Aufhebung seines Urteils hoffen, weil er einen eineiigen Zwilling hat. Die Aufklärung des Falls hängt von einem aufwendigen DNA-Gutachten ab - und davon, ob der in Serbien lebende Bruder eine Probe abgibt.


Im Sommer verurteilte das Düsseldorfer Amtsgericht einen 42-Jährigen zu 13 Monaten Haft auf Bewährung. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann mehrere Einbrüche beging, nachdem seine DNA am Tatort gefunden wurde. Doch nun hat der Lagerarbeiter gute Chancen, dass das Urteil in einem Berufungsprozess aufgehoben wird.

Denn inzwischen hat das serbische Konsulat bestätigt, was das Amtsgericht zuvor als bloße Behauptung eingestuft hatte: Der 42-Jährige hat einen eineiigen Zwillingsbruder. Da die DNA beider Brüder nahezu identisch ist, könnte nur ein teures Spezialgutachten klären, wer von beiden an den Tatorten war.

Laut "Rheinischer Post" gibt es in Deutschland nur ein Institut, das die schwierige Analyse durchführen könnte. Kostenpunkt: 60.000 Euro.

Für die Überprüfung fehlt außerdem die DNA-Probe des Bruders in Serbien. Es sei aber unwahrscheinlich, dass der Bruder freiwillig einer solchen Bitte nachkomme, sagte Verteidiger Nicolai Mameghani.

Nach Angaben des Gerichts muss noch geklärt werden, ob auch eine erzwungene DNA-Abgabe erwirkt werden kann. Nach derzeitigem Stand sei dies nicht möglich, da der Bruder in Serbien aktuell kein Tatverdächtiger sei. Das Berufungsverfahren ist inzwischen ausgesetzt, sagte eine Gerichtssprecherin.

gam/dpa



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