Prozess in Erfurt Mutter gesteht Faustschläge gegen Baby

Sie soll ihr Kind so heftig geschlagen haben, dass es an den Verletzungen starb: Jetzt hat eine 39-Jährige aus dem thüringischen Gotha erstmals zugegeben, das Kind massiv misshandelt zu haben. Die Frau steht wegen Totschlags vor Gericht.


Erfurt - Im Prozess um den Tod eines drei Monate alten Jungen hat die angeklagte Mutter am heutigen Montag zugegeben, dass sie ihr Kind auch mit Faustschlägen traktiert hat. Die 39 Jahre alte Frau aus Gotha hatte vor dem Landgericht Erfurt bislang nur eingeräumt, dass sie ihrem Kind nach tagelangem Schreien zwei Ohrfeigen gegeben hatte.

Die Angeklagte muss sich wegen Totschlags verantworten, befindet sich aber auf freien Fuß. Sie soll in einem Wutanfall im März 2004 das schreiende Baby mit einem Gegenstand gegen den Kopf geschlagen und es heftig geschüttelt haben.

Der Säugling starb wenig später im Krankenhaus an einem Schädel- und Schütteltrauma. Ursprünglich hatten Staatsanwalt und Verteidiger am heutigen Montag ihre Schlussvorträge halten wollen.

Die Schilderungen der Angeklagten waren für die wenigen Prozesszuschauer schwer zu ertragen. Sie gab an, den kleinen Marcel Daniel mehrfach heftig mit der Vorder- und Rückhand ins Gesicht geschlagen und ihn dann in sein Körbchen geworfen zu haben.

Anschließend habe sie wahllos mit den Fäusten auf ihn eingeprügelt. "Dann war erstmal Ruhe." Sie habe sich schlafen gelegt und nur einmal in der Nacht ein leichtes Wimmern vernommen.

Die Angeklagte beteuerte erneut, sie habe das Kind weder mit einem Gegenstand malträtiert noch habe sie es heftig geschüttelt. "Das ist wirklich alles jetzt", erklärte sie dem Richter. Als sie an einer Puppe die Faustschläge demonstrierten musste, brach sie weinend zusammen. Sie sei allein, hilflos und mit den Nerven total am Ende gewesen, führte sie zu ihrer Verteidigung an.

Zuvor hatte eine Ärztin von den drei Klinikaufenthalten des Jungen berichtet, der unter einer Mangelernährung litt. Bei der ersten Einweisung habe das Kind 2500 Gramm gewogen, unter stationären Bedingungen aber gut zugenommen.

Bei seinem letzten Klinikaufenthalt im Februar 2004 seien Blutergüsse im Gesicht und am Bauch des Jungen festgestellt worden. "Wir hatten den Eindruck, dass sie Hilfe brauchen könnte", sagte die Zeugin über die Angeklagte.

bog/dpa



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