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20. August 2015, 17:26 Uhr

Prozess in Essen

Wachleute bestreiten willkürliche Gewalt gegen Asylbewerber

Fünf ehemalige Wachleute einer Essener Asylbewerberunterkunft sollen mehrere Bewohner misshandelt haben. Nun müssen sie sich vor Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten - und bestreiten willkürliche Attacken auf die Menschen.

Fünf Ex-Wachmänner sollen vor einem Jahr in einer Essener Asylbewerberunterkunft mehrere Bewohner grundlos geschlagen, getreten und misshandelt haben. Als ihnen jetzt der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung zu Prozessbeginn vor dem Essener Amtsgericht vorgehalten wurde, platzte es aus einem der Angeklagten heraus: "Das ist hundertprozentig absurd", sagte der 35-Jährige.

Die Staatsanwaltschaft hat drei mutmaßliche Übergriffe zur Anklage gebracht. Bewohner, die außerhalb der Öffnungszeiten der Kantine nach Essen oder Kaffee fragten, sollen von den Angeklagten zu Boden geschlagen und anschließend getreten worden sein. Auch in einem Zimmer der Unterkunft am Rande der Essener Innenstadt kam es angeblich zu gewaltsamen Attacken auf drei Bewohner gleichzeitig.

Die Angeklagten weisen diese Anschuldigungen jedoch zurück. Willkürliche Gewalt hätten sie zu keiner Zeit angewendet, hieß es in ihren Erklärungen. Und wenn es tatsächlich einmal zu tätlichen Auseinandersetzungen mit Bewohnern gekommen sei, dann, um sich zu wehren. "Wir wurden ständig beleidigt und einmal sogar mit Steinen beworfen", sagte ein 22 Jahre alter Ex-Wachmann. Die Bewohner seien äußerst aggressiv gewesen.

Sein 35-jähriger damaliger Kollege wies darauf hin, dass er selbst in Tschetschenien geboren wurde, einen belgischen Pass besitze und schließlich als Fremder nach Deutschland gekommen sei. "Es liegt meinem Mandanten völlig fern, ohne Grund gewaltsam gegen Ausländer vorzugehen", erklärte sein Verteidiger.

Das Gericht wird an den kommenden Verhandlungstagen mehrere Zeugen vernehmen. Einer der früheren Bewohner zeigte am Donnerstag mit dem Finger auf die Angeklagten und sagte: "Die Männer da haben uns geschlagen." Zwei der Angeklagten arbeiten bis heute im Sicherheitsgewerbe - allerdings nicht in Asylbewerberunterkünften, wie sie erklärten.

gam/dpa

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