Prozess in Koblenz Angeklagter gesteht sexuellen Missbrauch seiner Tochter

Teilgeständnis im Westerwälder Missbrauchsprozess: Der Angeklagte hat eingeräumt, seine leibliche Tochter missbraucht zu haben. Zuvor war die heute 18-Jährige in nicht öffentlicher Sitzung vernommen worden.

DPA

Koblenz - Wende im Fall Fluterschen: Die Vorwürfe der Anklage, wonach Detlef S. seine leibliche Tochter jahrelang missbraucht habe, seien zutreffend, sagte der Verteidiger des 48-jährigen Familienvaters nach Rücksprache mit seinem Mandanten im Koblenzer Landgericht am Mittwoch. Zuvor war seine Tochter als Zeugin wiederholt bei ihrer Aussage in Tränen ausgebrochen.

Laut Anklage wurde die heute 18 Jahre alte leibliche Tochter des Angeklagten ab ihrem zwölften Geburtstag vom Vater missbraucht. Sie hatte das ganze Verfahren ins Rollen gebracht, als sie einen Brief ihrer Schwester Natascha S., in dem sie ihren Vater beschuldigte, an das Jugendamt des Kreises Altenkirchen weiterleitete.

Seit Dienstag muss sich der 48-Jährige vor dem Koblenzer Landgericht verantworten - wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen und der Förderung sexueller Handlungen von Minderjährigen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der Angeklagte Detlef S. in 350 Fällen seine leibliche Tochter und zwei seiner Stiefkinder misshandelt und sexuell missbraucht haben. Mit der Stieftochter zeugte er acht Kinder von denen eines verstarb. S. hatte zu Prozessauftakt über seinen Anwalt mitteilen lassen, dass er die Vaterschaft zugebe.

"Die Mutter bewusstlos geschlagen"

Der heute 28-jährige Stiefsohn des Angeklagten schilderte dem Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit, was er und die ganze Familie über Jahre erdulden mussten. Die Details referierte der Vorsitzender Richter Winfried Hedger im Anschluss an die Aussage. Demnach wurde der Zeuge bereits 1987 von Detlef S. sexuell missbraucht. Der Vater habe im Rahmen seiner häufigen Gewaltausbrüche nicht nur mit der Faust, sondern auch mit einer selbstgebastelten Peitsche zugeschlagen. Immer wieder habe S. die Mutter bewusstlos geschlagen.

An einem Tag im Jahr 2002 habe er Blut am Körper seiner zehnjährigen Schwester Jasmine gesehen, berichtete der Stiefsohn. Damals habe er erstmals einen sexuellen Missbrauch durch den Vater vermutet. Als er seinen Stiefvater darauf angesprochen habe, habe dieser mit Handgreiflichkeiten reagiert.

Mehrmals sei das Jugendamt eingeschaltet gewesen. Er und seine Geschwister hätten aber zu den Taten geschwiegen oder diese geleugnet. Als Begründung hierfür gab der Zeuge laut Richter an, der Stiefvater habe mit Prügel gedroht. Auch als er im Jahr 2002 zu Hause ausgezogen sei, habe dieser gedroht, er würde ihn weiter verfolgen und ihm "das Leben zur Hölle machen".

Die heute 18-jährige leibliche Tochter des Angeklagten wurde im Anschluss daran als Zeugin vernommen - ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Beide treten in dem Prozess als Nebenkläger auf wie auch die Zwillingsschwester des 28-Jährigen, die den Stiefvater beim Prozessauftakt schwer belastet hatte. Der Prozess sollte am Donnerstag mit weiteren Zeugenaussagen und Gutachtern fortgesetzt werden.

ala/dpa/dapd

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