Prozess in Regensburg Pfarrer von Riekofen gesteht Kindesmissbrauch

22 Mal verging sich der Pfarrer von Riekhofen an einem Ministranten, wegen schweren sexuellen Missbrauchs steht er nun vor Gericht. Zum Prozessauftakt legte der 40-Jährige heute ein Geständnis ab - und bot der Familie des Opfers Bargeld an.


Regensburg - Ein kurzer Prozess, im wahrsten Sinne des Wortes: Das Verfahren gegen den ehemaligen Pfarrer von Riekofen, der sich 22 Mal an einem Ministranten vergangen haben soll, hat heute mit einem Geständnis begonnen - zugleich wird heute auch das Urteil erwartet.

Der Angeklagte Peter K. (re.) im Prozess: "... dass ich mich entschuldigen möchte"
DPA

Der Angeklagte Peter K. (re.) im Prozess: "... dass ich mich entschuldigen möchte"

Der 40-jährige Geistliche räume die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft voll ein, ließ er über seinen Anwalt erklären. Mit seinem Geständnis wolle er dem Opfer eine Aussage ersparen. "Ich möchte noch einmal betonen, dass ich mich entschuldigen möchte. Besonders beim Nebenkläger." Der heute 15 Jahre alte Junge war nicht anwesend.

Noch vor Beginn der Verhandlung hatte der Geistliche für die Familie 5.000 Euro in bar übergeben und ließ erklären, er biete weitere 3.000 Euro an.

Er habe die Absicht, den Schaden wiedergutzumachen, und wolle auch für künftige Kosten aufkommen. Der Anwalt des Pfarrers erklärte, sein Mandant befinde sich in ärztlicher Behandlung und hoffe, dass ihm geholfen werden könne, damit so etwas nicht wieder geschehe.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem einschlägig vorbestraften Mann schweren sexuellen Missbrauch vor. Er soll sich zwischen den Jahren 2004 und 2006 an dem Ministranten aus seiner Pfarrei vergangen haben, der zu Beginn der Übergriffe elf Jahre alt war. Die Ermittler schlossen aber aus, dass der Mann Gewalt anwendete oder in den Jungen eindrang.

Pfarrer trotz Verurteilung schnell wieder im Einsatz

Die ermittelnde Kommissarin sagte vor Gericht, der Junge habe die Übergriffe nach anfänglichem Zögern detailliert geschildert. "Man merkte, dass er sich einfach sehr dafür schämt, was passiert ist", erklärte sie. Die Anwältin der Familie sagte, der Junge gehe nur wenig aus dem Haus und habe Einschlafstörungen.

Der Pfarrer war bereits im Juli 2000 vom Amtsgericht Viechtach wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Die im Riekofener Fall ermittelnde Kommissarin erklärte, ihren Nachforschungen zufolge habe der Geistliche schon 2001 wieder die komplette Seelsorge in der vakanten Pfarrei übernommen. Eine Liste belege, dass der Pfarrer zahlreiche Ministrantenausflüge geleitet habe. Nach Aussage mehrerer Teilnehmer suchte er Einzelgespräche mit ihnen und stellte ihnen intime Fragen.

Proteste gegen Regensburger Bischof

Wegen des erneuten Einsatzes des vorbestraften Pfarrers als Seelsorger war auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller unter Druck geraten, der aber jede Mitverantwortung ablehnt. Die Diözese beruft sich auf eine Stellungnahme des Therapeuten des Pfarrers, wonach dieser keine pädophilen Neigungen habe und keine Wiederholungsgefahr von ihm ausgehe.

Die Kommissarin erklärte jedoch, in der kirchlichen Personalakte des Priesters gebe es auch einen Vermerk über ein für den Geistlichen negatives Gutachten eines Sachverständigen, das nach dem ersten Missbrauchsfall in Viechtach erstellt wurde. Die Aussage des Sachverständigen wird für den Nachmittag erwartet.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Pfarrer erheblich vermindert schuldfähig ist und ohne Therapie eine erhebliche Wiederholungsgefahr besteht. Neben einer Strafe strebt die Anklage auch die Unterbringung in der Psychiatrie an, wo sich der Pfarrer derzeit schon befindet.

pad/AP



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