Prozess in Stade Freispruch im Mordfall Sonja Ady

Nach mehr als 20 Jahren sollte der Mord an der Schülerin Sonja geklärt werden, mittels DNA-Analysen. Doch nun hat das Landgericht Stade den angeklagten 41-Jährigen freigesprochen - aus Mangel an Beweisen.

Stade - Die Tat liegt 22 Jahre zurück: Die 16-jährige Sonja Ady aus Ostendorf bei Bremervörde wurde am 23. August 1987 ermordet in einem Feldweg gefunden, getötet mit 67 Messerstichen. Die Jugendliche war entkleidet und mit einem Strick an Händen und Beinen gefesselt. Ein Sexualverbrechen kann die Polizei bis heute weder ausschließen noch zweifelsfrei nachweisen.

Die ermordete Sonja Ady: Ermittler könnten DNA-Spuren übertragen haben

Die ermordete Sonja Ady: Ermittler könnten DNA-Spuren übertragen haben

Foto: Polizei

Am Abend zuvor war die Hauswirtschaftsschülerin in einer Diskothek in Bevern gewesen, zuletzt war sie um 1.50 Uhr von Gästen gesehen worden. Danach verlor sich ihre Spur, einen Täter konnten die Fahnder damals nicht ermitteln.

20 Jahre später vermeldeten die Ermittler den vermeintlichen Durchbruch im Fall Sonja Ady: Mit Hilfe von DNA-Material waren sie auf die Spur von Michael B. gekommen. Auf den Fesseln und einem nahe der Leiche gelegenen Socken wiesen die Ermittler das Erbmaterial des zur Tatzeit 19-Jährigen nach.

Doch das reichte nicht für eine Verurteilung: Das Landgericht im niedersächsischen Stade hat den Angeklagten B. nun freigesprochen. Dem 41-Jährigen könne die Tat nicht nachgewiesen werden, sagte der Vorsitzende Richter Berend Appelkamp am Freitag. Der Angeklagte, der ein Jahr in Untersuchungshaft saß, soll nun eine Entschädigung erhalten.

Mit dem Urteil folgten die Richter der Verteidigung sowie einem Sachverständigengutachten. "Lange Zeit gaben die DNA-Spuren an Seil und Socke den Ausschlag und begründeten den dringenden Tatverdacht", erklärte Appelkamp. Doch dann hatte eine Gutachterin im Prozess deren Zuverlässigkeit angezweifelt: Es sei möglich, dass die Ermittler die Spuren bei ihrer Arbeit versehentlich auf die Beweise übertragen hätten. So könnte zum Beispiel Sperma des Angeklagten beim Transport der Leiche auf das Seil geflossen sein.

Außerdem hatten mehrere Zeugen ausgesagt, Sonja noch lebend gesehen zu haben, als der Mann schon längst mit seiner Freundin zu Hause war. Und die Ermittler hatten weder an seiner Kleidung noch in seinem Auto Blut von Sonja nachweisen können.

Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob sie in Revision gehen will. Sie hatte wegen Mordes eine Haftstrafe von sieben Jahre Haft gefordert.

Während der 34 Verhandlungstage hatte der 41-Jährige beharrlich geschwiegen. In einem Verhör bei der Polizei hatte er aber damals zugegeben, dass er Sonja am Abend vor dem Mord in der Discothek getroffen und mit ihr in seinem Auto geschlafen hatte. Danach sei sie aber wieder zurück gegangen.

siu/dpa/ddp

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