Prozess Jury macht Fahrer und Paparazzi für Dianas Tod verantwortlich

Urteil im Diana-Prozess: Britische Geschworene machen den Chauffeur Henri Paul und die ihn verfolgenden Paparazzi für den Tod der Prinzessin und ihres Lebensgefährten Dodi Al-Fayed verantwortlich.


London - Zehneinhalb Jahre nach dem Tod der Prinzessin Diana gibt eine Geschworenen-Jury dem angetrunkenen Fahrer des Unfallwagens sowie den Paparazzi die Schuld für den tödlichen Unfall: Mit neun zu zwei Stimmen entschied die Jury nach einer sechsmonatigen öffentlichen Untersuchung vor dem Obersten Gericht in London, dass das Verhalten der Paparazzi und des Fahrers zur fahrlässigen Tötung Dianas und ihres Begleiters Dodi Al-Fayed geführt habe.

Der Fahrer habe mit einem rücksichtslosen Fahrstil versucht, die auf Motorrädern folgenden Fotografen abzuschütteln und dabei gegen einen Pfeiler geprallt, hieß es in der Mehrheitsentscheidung.

Der Vorsitzende Richter Scott Baker hatte bereits in der vorigen Woche ausgeschlossen, dass Diana und Dodi Opfer eines Mordkomplotts auf Betreiben des Königshauses wurden. Damit wurden entsprechende Behauptungen des Vaters von Dodi, Mohammed Al-Fayed, zurückgewiesen.

Baker hatte vor der Bekanntgabe der Jury-Entscheidung gesagt, er werde auch eine Mehrheitsentscheidung akzeptieren, wenn sie von mindestens neun Geschworenen getroffen wurde. Die elf Geschworenen hatten sich nach monatelangen Ermittlungen vor einer Woche zur Urteilsberatung zurückgezogen.

Im Abschlussbericht hatte das Gericht festgestellt, dass die Verschwörungstheorien rund um Dianas Tod vor über zehn Jahren bis hin zu einer Verwicklung von Prinz Philip und der britischen Geheimdienste jeder Grundlage entbehrten.

Vor allem Dodis Vater Mohamed Al-Fayed sprach bis zuletzt von einem Mordkomplott und bezeichnete die britische Justiz als voreingenommen.

Im Lauf der aufwendigen Untersuchung sagten mehr als 240 Zeugen aus - bis hin zu Prinz Philips Privatsekretär und Dianas ehemaligem Butler. Geheimdienstler wurden vor Gericht zitiert, Butler, Experten, Ex-Freundinnen und Freunde Dianas und Dodis verhört, in Frankreich und in England, insgesamt sechs Monate lang.

Die jüngste gerichtliche Untersuchung zum Tod von Prinzessin Diana artete zu einem medialen Spektakel aus, ohne wirklich neue Erkenntnisse ans Licht zu bringen. Die Kosten beliefen sich bis Ende Februar auf fast 3,7 Millionen Euro.

jjc/AP



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