Mordprozess in Oldenburg Staatsanwältin fordert lebenslange Haft für Krankenpfleger

Als Krankenpfleger brachte Niels H. mindestens 30 Menschen um. In ihrem Plädoyer im Mordprozess forderte die Staatsanwaltschaft nun lebenslange Haft für den 38-Jährigen.
Ex-Krankenpfleger Niels H. vor Gericht: Staatsanwälte halten Plädoyer

Ex-Krankenpfleger Niels H. vor Gericht: Staatsanwälte halten Plädoyer

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Oldenburg - Niels H. habe sich des dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs schuldig gemacht, sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann in ihrem Plädoyer vor dem Gericht in Oldenburg. Dafür sei die Höchststrafe angebracht. Der ehemalige Krankenpfleger erklärte, er bedauere seine Taten, sie seien nicht entschuldbar.

Der bullige Mann soll Patienten eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt haben, so dass sie wiederbelebt werden mussten. Sein Motiv: Langeweile und der Wunsch, sein Können vor den Kollegen zu beweisen, so die Staatsanwaltschaft.

Angeklagt ist der Ex-Pfleger wegen fünf Taten, und er kann auch nur für diese in dem Prozess verurteilt werden. Gestanden hat er allerdings 90 Übergriffe auf Patienten. Bis zu 30 Patienten sollen gestorben sein.

Die Polizei untersucht mehr als 200 Todesfälle

Eine Sonderkommission der Polizei untersucht zurzeit sogar mehr als 200 Todesfälle während der Dienstzeit des Mannes am Klinikum Delmenhorst und seinen anderen Arbeitsstätten in Oldenburg, Wilhelmshaven sowie bei den Rettungssanitätern. Der Angeklagte beteuerte erneut, außerhalb von Delmenhorst keinem Patienten geschadet zu haben.

Die Oberstaatsanwältin sagte, die Taten seien abscheulich und nicht verständlich. "Den Tod der Patienten hat er zumindest billigend in Kauf genommen." Die Anklagevertreterin sprach von einer besonderen Schwere der Schuld. Eine Sicherungsverwahrung forderte sie nicht, da keine Rückfallgefahr bestehe. Wenn sich die weiteren Vorwürfe gegen den Ex-Pfleger bestätigen sollten, könnte es laut Staatsanwaltschaft eine weitere Anklage und einen weiteren Prozess gegen den Mann geben.

Am Donnerstag wollte die Nebenklage in dem Prozess ihr Plädoyer halten. In der kommenden Woche ist nach den Plänen der Kammer die Verteidigung an der Reihe, im Anschluss wollen die Richter das Urteil verkünden.

sms/dpa
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