Prozess
Schauspieler Thomczyk gibt sexuelle Nötigung zu
Überraschende Wende im Prozess gegen Willi Thomczyk: Mit einem Teilgeständnis hat der Schauspieler möglicherweise eine Verurteilung wegen Vergewaltigung abgewendet. Er gab vor dem Bochumer Landgericht zu, vor vier Jahren eine Schauspielschülerin sexuell genötigt zu haben.
Bochum - Thomczyk, 51, erklärte vor Gericht, er habe die Widerstände der damals 19 Jahre alten Schauspielschülerin zwar gespürt, aber nicht ernst genommen. Wörtlich sagte Thomczyk: "Ich finde, dass ich Schuld habe." Er wolle sich nun in eine Sexualtherapie begeben.
Nach der Wende im Prozess kündigten die Richter an, statt der ursprünglich angeklagten Vergewaltigung komme nun wohl nur noch eine Verurteilung wegen sexueller Nötigung in einem minder schweren Fall in Betracht. Plädoyers und Urteil sollen am 27. September folgen.
Thomczyk (RTL, "Die Camper") sagte vor Gericht, er habe durch den Prozess "gemerkt, dass Störungen vorhanden sind, mich zu benehmen." Vor allem bei der Annäherung an das weibliche Geschlecht habe er Fehler gemacht. Das tue ihm Leid. Die ersten Konsequenzen habe er daraus bereits gezogen. Erstens wolle er die Jugendarbeit in seinem freien "Theater Kohlenpott" nicht weiter fortsetzen. Zweitens wolle er sich nach seiner Verurteilung freiwillig in eine entsprechende Therapie begeben. "Ich benötige fachliche Hilfe." Die offizielle Leitung seines Theaters hatte er bereits vorher abgegeben.
Vor seinem Geständnis hatte die Kammer mit Thomczyks Einverständnis einen Entschuldigungsbrief verlesen, den der Schauspieler im Herbst 2002, ein Jahr nach dem Vorfall, an die 23 Jahre alte Hauptzeugin der Anklage geschrieben hatte. Darin heißt es unter anderem: "Es tut mir Leid, wenn ich Dich verletzt habe... Ich wollte Dir sagen, dass ich Dich nicht sexuell benutzten wollte."
In einem anderen verhandelten Fall wird voraussichtlich anstatt von versuchter Vergewaltigung von versuchter Nötigung ausgegangen. Weitere Vorwürfe gegen Thomczyk wurden fallen gelassen. Die Mindeststrafe richtet sich nach dem schwersten Delikt und liegt bei sechs Monaten Haft.
Thomczyk zeigte sich nach dem Prozess erleichtert. "Es ist doch klar, dass mir ein Stein vom Herzen gefallen ist", erklärte er auf dem Gerichtsflur.
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