Prozess Türck soll Frau zu Oral-Sex gezwungen haben

Ab heute muss sich Fernsehmoderator Andreas Türck vor dem Frankfurter Landgericht wegen Vergewaltigung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, vor drei Jahren eine junge Frau vergewaltigt und gewürgt zu haben. Die Karriere des ehemaligen TV-Darlings ist schon vor Prozessbeginn zu Ende.


Andreas Türck: Was geschah im Sommer 2002 auf der Honsellbrücke?
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Andreas Türck: Was geschah im Sommer 2002 auf der Honsellbrücke?

Frankfurt am Main - Mit Themen wie "Frauen sind dümmer als Männer" oder "Ich kriege alle rum" quasselte sich Andreas Türck ganz nach oben. Der Mädchenschwarm mit den dunklen Augen und dem verwegenen Drei-Tage-Bart war der gefeierte Star des nachmittäglichen Seelenstriptease und plante nebenbei eine Karriere als Sänger. Seit März vergangenen Jahres aber ist der 36-Jährige abgetaucht.

Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge, sollen der ProSieben-Moderator und sein bester Freund am Abend des 25. August 2002 im Frankfurter In-Lokal Sansibar eine 26-Jährige und ihre Freundin kennen gelernt haben. Die vier beschlossen, gemeinsam weiterzuziehen. Auf der Fahrt zur Szenekneipe Vinylbar hielt Türck auf einer Brücke im Osthafen. Angeblich wollte er seiner Beifahrerin den tollen Blick auf die Skyline zeigen. Türck und die 26-Jährige entfernten sich einige Meter vom Auto. Dann soll der Moderator die junge Frau zum Oralverkehr gezwungen, sie dabei gewürgt und mit dem Kopf an das Brückengeländer geschlagen haben. So berichtet es das mutmaßliche Opfer. Türck bestreitet nicht, mit der Frau Sex gehabt zu haben. Allerdings habe sie es freiwillig getan, sagt er.

"Meine Mandantin hatte Würgemale am Hals und zahlreiche Blutergüsse", erklärt Klägeranwältin Friederike Vilmar. Türcks Anwalt Franz Dänekamp hält dagegen: "Die betroffene junge Frau will auf einer gut beleuchteten Brücke in der Frankfurter Innenstadt vergewaltigt worden sein, während sich ihre Freundin und ein weiterer Zeuge im Abstand von deutlich weniger als 20 Metern neben dem vermeintlichen Opfer stehend unterhalten haben, ohne eine entsprechende Straftat zu registrieren. Beide Zeugen sagen übereinstimmend aus, dass sie eine Gewalteinwirkung nicht bemerkt haben, keinen Schrei, keinen Hilferuf, keine Abwehr."

Doch schon hier wird es rätselhaft: Zum einen liegt die Honsellbrücke weder in der Innenstadt, vielmehr in einem nachts menschenleeren Industriegebiet, noch ist sie gut beleuchtet. Zudem widersprechen sich offenbar die einzigen Zeugen der Nacht. Die Freundin hat dem Magazin "Stern" zufolge nichts genaues gesehen, während Türcks Freund angeblich alles gesehen haben will. Seine Angaben decken sich mit denen des Angeklagten.

Ein Gutachten attestiert der jungen Frau psychische Probleme, von Wahrnehmungsverzerrungen ist die Rede. Das spielt der Verteidigung in die Hände, welche die Frau offenbar als unglaubwürdig hinstellen möchte. Das Gutachten belege nicht, dass sie sich die Geschichte nur ausgedacht habe, um den Fernsehmoderator zu schädigen, argumentiert dagegen ihre Anwältin. Gegen die "Promi-Luder"-Version spreche, dass die Frau weder die Polizei noch die Medien eingeschaltet habe. Sie hatte sich am Telefon einem Freund anvertraut. Was sie nicht wusste: Der Freund war ein gesuchter Drogendealer, die Polizei hörte jedes Wort mit und leitete die Ermittlungen ein.

Die Vorsitzende Richterin Bärbel Stock will nun an zehn Verhandlungstagen herausfinden, was wirklich geschah. Es ist nicht der erste heikle Prozess, dem die 48-Jährige, die für akribische Beweisaufnahme und bohrende Fragen bekannt ist, vorsitzt. Zuletzt musste sich der Frankfurter Polizei-Vize Wolfgang Daschner wegen der Gewaltdrohungen gegen den Mörder des Bankierssohnes Jakob von Metzler vor ihr verantworten. Bei einer Verurteilung wegen sexueller Nötigung in einem besonders schweren Fall und Körperverletzung droht Türck eine Haftstrafe von zwei bis 15 Jahren.

Unabhängig davon, wie das Gericht entscheidet, scheint eines sicher: Die Karriere des einstigen TV-Stars ist zu Ende. Als die Staatsanwaltschaft im Mai 2004 Anklage erhob, trennte sich ProSieben umgehend von dem Moderator, der bis dahin eine nach ihm benannte Talkshow, die Kuppelsendung "Love Stories" und zuletzt die "Chartshow" präsentiert hatte. "Die Frage seiner Rückkehr stellt sich für uns nicht", lässt der Sender auch heute verlauten. Auf Türcks Homepage findet sich unter der Rubrik "TV" außer einem Foto nur gähnende Leere. Seine Biografie endet im Jahr 2002.

Katharina Becker, AFP



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