Prozess um Opec-Attentat Suder und Gauger schweigen

Im Frankfurter Prozess um das Opec-Attentat von 1975 in Wien und Anschläge der Terrorgruppe "Revolutionäre Zellen" hüllen sich die beiden Angeklagten in Schweigen. Sonja Suders und Christian Gaugers Verteidiger scheiterten mit ihrem Antrag auf Verfahrenseinstellung, die Anklage konnte verlesen werden.

DPA

Frankfurt - Mit der Anklageverlesung ist am Dienstag vor dem Frankfurter Landgericht das Verfahren gegen zwei mutmaßliche frühere Mitglieder der "Revolutionären Zellen" (RZ) fortgesetzt worden. Weil sie Waffen für den Überfall auf die Opec-Konferenz in Wien 1975 beschafft haben soll, wirft die Staatsanwaltschaft der 79 Jahre alten Sonja Suder dreifachen Mord und einen Mordversuch vor. Mit dem ebenfalls angeklagten 71-jährigen Christian Gauger soll sie 1977 und 1978 Sprengstoffanschläge auf deutsche Firmen verübt haben.

Bei dem Überfall auf die Konferenz der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), bei der Dutzende Menschen als Geiseln genommen und nach Algerien entführt worden waren und drei Opfer starben, sei Suder zwar nicht dabei gewesen. Doch soll sie laut Anklage vor dem Anschlag Waffen und Sprengstoff für den Chef des Terrorkommandos - den seit 1994 in Frankreich einsitzenden Venezolaner Ilich Ramirez Sanchez, genannt Carlos - transportiert haben. Zum Einsatz sei das Gerät dann nicht gekommen, weil aus Libyen modernere Ausrüstung geliefert worden sei, trug der Staatsanwalt vor.

Anklagevertreter Bernd Rauchhaus hielt Suder vor, aus niederen Beweggründen den Tod von drei Opfern leichtfertig verursacht zu haben. "Sie wusste und billigte, dass Waffen zur Tötung von Menschen eingesetzt wurden", sagte er.

Der Anklage zufolge soll Suder auch mit dem RAF-Mitglied Gabriele Kröcher-Tiedemann, die dort unter dem Decknamen Nada aufgetreten sei, kooperiert haben. Außerdem habe Suder bei zwei Treffen im Frankfurter Stadtwald Hans-Joachim Klein angeworben. Der heute 64-jährige Ex-Terrorist wurde 2001 im Zusammenhang mit dem Opec-Überfall wegen dreifachen Mordes zu neun Jahren Haft verurteilt.

Suder und Gauger schweigen

Zusammen mit dem schwerkranken Gauger, der laut Staatsanwaltschaft mit dem Opec-Attentat nichts zu tun hatte, soll Suder Sprengstoffanschläge auf die MAN-Niederlassung in Nürnberg und auf einen Atomkraftwerkzulieferer im pfälzischen Frankenthal verübt haben. Vorgeworfen wird ihnen auch, im Mai 1978 zusammen mit dem RZ-Mitglied Hermann Feiling einen Brandsatz im Heidelberger Schloss gelegt zu haben, um gegen die Sanierungspolitik der Stadt zu protestieren.

Suder und Gauger setzten sich im August 1978 nach Frankreich ab, von wo sie 2011 ausgeliefert wurden. Suder sitzt in U-Haft, Gauger ist auf freiem Fuß und lebt bei Freunden in Frankfurt.

Weder Suder noch Gauger äußerten sich am zweiten Verhandlungstag zu den Vorwürfen. Auch zu ihren Lebensläufen machten die mutmaßlichen ehemaligen Linksterroristen keine Angaben.

Die Verteidiger der beiden scheiterten mit ihren bei der Prozesseröffnung am 21. September gestellten Befangenheitsanträgen. Sie hatten kritisiert, die Richter hätten im Mai bei Haftprüfungsterminen Parteilichkeit gezeigt. Das Gericht lehnte außerdem einen von den Anwälten vorgebrachten Antrag auf Verfahrenseinstellung ab.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

siu/dpa/dapd



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