Prozessauftakt Polizist gesteht Mord an Ex-Freundin

Mord als Befreiungsschlag: Ein Polizist hat vor dem Mannheimer Landgericht zugegeben, seine Ex-Freundin mit einem Kopfschuss getötet zu haben. Die Beziehung zu ihr sei für ihn unerträglich gewesen, sagte der 35-Jährige. Nach ihrem Tod wollte er ein neues Leben beginnen.


Mannheim - "Meine Gedanken drehten sich um die Idee, dass ich nur noch Ruhe finden kann, wenn sie tot ist", sagte Karsten K. zu Beginn des Prozesses. "Ich trage die alleinige Verantwortung. Meine Tat ist nicht verzeihbar."

Das Paar hatte sich nach drei Jahren im Frühjahr 2007 getrennt, jedoch weiter eine sexuelle Beziehung gehabt. Seine ehemalige Freundin habe trotzdem "viele Lügengeschichten" über ihn erzählt, sagte der 35-Jährige. "Ich hatte nur noch das Gefühl, dass sie mein Leben völlig zerstören wollte." So hatte die Frau behauptet, der Angeklagte habe sie vergewaltigt. Als die Polizei sie - nur wenige Stunden vor ihrem Tod - dazu befragte, hatte sie den Vorwurf jedoch zurückgenommen.

Aus der anfangs harmonischen Beziehung sei sehr schnell ein "Beziehungsdrama" geworden, beschrieb der Angeklagte den Beginn der dreijährigen Liebschaft. Aus Angst vor Untreue hätten sie sich gegenseitig kontrolliert, seine Freundin habe ihn bedroht und ihm verboten, mit anderen - selbst seiner Familie - auszugehen. Sie habe ihn auch körperlich angegriffen. Er wiederum habe über das Polizeisystem verbotenerweise Daten über ihren Ex- Freund abgerufen. Selbst seine Vorgesetzten hätten ihm geraten, die Beziehung zu beenden. "Irgendwie konnten wir aber nicht voneinander lassen."

Wenige Wochen vor dem Mord habe er über das Internet eine andere Frau kennengelernt und auf eine neue Beziehung gehofft, erzählte der Polizist. Auch ihr habe seine Ex-Freundin jedoch Lügen über ihn erzählt, so dass er "für die gerade begonnene Freundschaft keine Zukunft mehr" sah. Er habe auch überlegt, sich das Leben zu nehmen.

Am Tattag hatte er eine "unbändige Wut" auf die 29-Jährige und wollte sie zur Rede stellen, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er sei mit seinem Auto zu ihrer Wohnung gefahren und habe die Tür eingetreten. "Mit gezogener Pistole trat ich in die Wohnung, um sie zu erschießen." Seine Ex habe in der Badewanne gelegen, als er sie mit einem Kopfschuss regelrecht hinrichtete. Er sei "wie in Trance" gewesen. Der damals zweijährige Sohn des Opfers hatte zunächst in seinem Kinderbett geschlafen, war aber wegen des Lärms aufgewacht und hatte zu weinen begonnen.

Erst im Auto sei ihm klar geworden, was er getan habe. "Ich habe nicht nur ihr Leben zerstört, sondern auch meins." Nach dem Schuss hatte sich der Beamte der Polizei gestellt und sich zunächst auf einen "Blackout" berufen. Vor Gericht sagte er nun, er sei zu feige gewesen, sich der Realität zu stellen: "Es gab keinen Filmriss."

jjc/dpa/AP



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