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12. Juli 2011, 11:59 Uhr

Prozessbeginn im Fall Mirco

"Diese Tat ist unentschuldbar"

In Krefeld hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des zehnjährigen Mirco begonnen. Zum Auftakt wiederholte Olaf H. sein Geständnis, weiter äußern werde er sich nicht. Eine Entschuldigung bei den Eltern lehnte er ab.

Krefeld - Vor dem Landgericht brennen Kerzen, Prozessbesucher haben Blumen abgelegt und Fotos von Mirco. Der gewaltsame Tod des zehnjährigen Jungen im vergangenen Herbst hat viele Menschen bewegt. Nun hat der Prozess gegen den 45 Jahre alten Familienvater Olaf H. aus Schwalmtal vor dem Landgericht Krefeld begonnen. Am Morgen wiederholte er sein Geständnis vor Gericht. "Das, was in der Anklage steht, ist richtig", ließ er über seinen Rechtsanwalt Gerd Meister bekanntgeben.

Die Staatsanwaltschaft wirft Olaf H. vor, Mirco am 3. September vergangenen Jahres entführt zu haben, um sich an ihm zu vergehen. Als dies misslang, soll er Mirco noch am selben Tag getötet haben. Laut Anklage hat er den Jungen mit einer Kunststoffschnur erdrosselt und ihm dann zusätzlich mit einem Messer in den Hals gestochen, um sicherzugehen, dass er wirklich tot ist. Die nackte Leiche des Kindes legte er in einem Waldstück nördlich von Grefrath ab.

Das Motiv des ehemaligen Telekom-Mitarbeiters liegt im Dunkeln. Olaf H. hatte unterschiedliche Angaben dazu gemacht und anfangs behauptet, Mirco aus "Stress im Job" umgebracht zu haben. Mit der Vernehmung von etwa 40 Zeugen überwiegend aus dem Umfeld des Angeklagten hofft das Gericht, seine Persönlichkeit erhellen zu können.

Der Vorsitzende Richter Herbert Luczak hat 15 Verhandlungstage bis Ende September angesetzt. Mircos Mutter steht ein schwerer Auftritt bevor: Auch sie soll als Zeugin gehört werden. Olaf H. will sich in dem Verfahren zunächst nicht weiter äußern, sagte sein Anwalt. Er werde sich auch nicht bei den Eltern von Mirco entschuldigen, denn: "Diese Tat ist unentschuldbar".

In einer der größten Suchaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik hatten zeitweise 1000 Polizisten das Gebiet rund um Grefrath nach dem Jungen durchkämmt, jedoch ohne Erfolg. Mirco war abends auf dem Nachhauseweg von einer Skaterbahn in seinem Wohnort verschwunden. Erst nach der Festnahme des 45-Jährigen Ende Januar wurde auch die Leiche des Jungen gefunden.

Vor dem Landgericht standen schon am frühen Morgen Menschen Schlange, um einen Platz im Gerichtssaal zu ergattern. Olaf H. trug beim Betreten des Gerichtssaals eine Sonnenbrille und verdeckte sein Gesicht hinter einem Papierstapel.

jbr/dpa/AFP/dapd

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