Umfrage nach qualvoller Hinrichtung Mehrheit der US-Amerikaner hält an Todesstrafe fest

Todesstrafe ja, aber ohne Spritze: Einer Umfrage zufolge spricht sich die Mehrheit der US-Amerikaner trotz der jüngsten schweren Panne bei einer Hinrichtung für die Todesstrafe aus. Viele Befragte unterstützen Alternativen zur Giftspritze - etwa Erschießungskommandos.

Liege für Exekutionen per Giftspritze (in Texas): Herzinfarkt nach einer Dreiviertelstunde
DPA

Liege für Exekutionen per Giftspritze (in Texas): Herzinfarkt nach einer Dreiviertelstunde


Oklahoma City - 43 Minuten lang rang Clayton Lockett mit dem Tod: Diese Panne bei der Hinrichtung des Verurteilten im US-Bundesstaat Oklahoma hatte international für Entsetzen gesorgt - dennoch hält die US-amerikanische Öffentlichkeit weiter an der Strafe fest. Das hat jetzt eine Umfrage für den Fernsehsender NBC ergeben. Demnach sprechen sich 59 Prozent der Befragten für die Todesstrafe aus. Eine Abschaffung fordern dagegen nur 35 Prozent.

Jedoch befürworten zwei Drittel der Befragten eine Alternative zur Giftspritze, heißt es in dem Bericht weiter. 800 Erwachsene waren von dem Institut Heart Research and Public Opinion Strategies befragt worden. In Oklahoma war die Hinrichtung eines Todeskandidaten Ende April nach wenigen Minuten abgebrochen worden, weil es Probleme mit der Giftinjektion gab. Der Mann wand sich anschließend im Todeskampf vor Schmerzen. Erst eine Dreiviertelstunde nach Verabreichung der nicht erprobten Giftmischung erlitt er einen tödlichen Herzinfarkt.

Die US-Strafvollzugsbehörden haben seit längerem Nachschubprobleme bei den Mitteln für die Giftspritzen, da sich die europäischen Hersteller der lange verwendeten Substanzen weigern, diese weiter für Hinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Mehrere US-Bundesstaaten haben daher neue und nicht erprobte Giftmischungen von nicht bundesweit zertifizierten Herstellern ausprobiert.

Sollten Exekutionen mit Giftspritzen nicht mehr möglich sein, unterstützen die Amerikaner der NBC-Umfrage zufolge andere Hinrichtungsmethoden: Demnach sprechen sich 20 Prozent für Gaskammern und 18 Prozent für den elektrischen Stuhl aus. Zwölf Prozent sehen in Erschießungskommandos eine Alternative, acht Prozent nannten den Tod durch Erhängen.

Im Bundesstaat Missouri soll der verurteilte Mörder Russell Bucklew am Mittwoch exekutiert werden. Die Behörden weigern sich allerdings, Einzelheiten zu der Giftmischung zu veröffentlichen.

vks/AFP

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
s.4mcro 16.05.2014
1. Todesstrafe und Waffengesetz
...sind die 2 Privilegien der Amerikaner, die sie sich niemals nehmen werden lassen. Warum auch immer! Murrica... home of the brave and violent
Mertrager 16.05.2014
2. Kann ja mir nicht passieren
... denkt da Jeder. Das kann ein Irrtum sein - auch wenn man meint nach dem "kategorische Imperativ" lebend auf der sicheren Seite zu sein. Der Irrtum ist ein tödlicher dann. Hier zeigt sich auch die unterschiedliche Ethik. In USA ist Strafe immer Rache. Da paßt das. Erst den Täter lebenslang einsprerren und - wenn er danach noch lebt - töten. Besonders blöd ist das eben, wenn es ein Unschuldiger ist. Kann Jedem passieren !?
geotie 16.05.2014
3.
Zitat von s.4mcro...sind die 2 Privilegien der Amerikaner, die sie sich niemals nehmen werden lassen. Warum auch immer! Murrica... home of the brave and violent
Es ist das Gefühl der Genugtuung, wenn man nicht immer das bekommt was einem eigentlich zustehen sollte. So ein Gefühl, an der Ampel, in der Kurve geschnitten worden zu sein und abends im Fernseher mitbekommen, da wurde einer wegen einer bösen Tat getötet. Da stellt sich auch nicht die Frage, warum so viele mit einem Fragezeichen totgespritzt wurden. Keine Frage, kein Aber!
weserbaer 16.05.2014
4. St. Florian ist Ami!
Zitat von sysopDPATodesstrafe ja, aber ohne Spritze: Einer Umfrage zufolge spricht sich die Mehrheit der US-Amerikaner trotz der jüngsten schweren Panne bei einer Hinrichtung für die Todesstrafe aus. Viele Befragte unterstützen Alternativen zur Giftspritze - etwa Erschießungskommandos. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/qualvolle-hinrichtung-in-oklahoma-todesstrafe-in-usa-weiter-gewollt-a-969762.html
Die große Nation die keine werden durfte sie hält an Traditionen fest, die auch keine sind. Dazu gehört die Todesstrafe, der man selbst als Pilgervater oder so mühsam entkommen ist. Wenn man dann aber selbst in die Mühlen dieser Gesetze geraten ist, dann ist Heulen und Zähneklappern riesengroß und ganze Völkerschaften werden mit Petitionen und Eingaben bemüht, dies abzuändern.
Anthrophilus 16.05.2014
5. Die besonders christliche USA zeigt damit ...
Zitat von sysopDPATodesstrafe ja, aber ohne Spritze: Einer Umfrage zufolge spricht sich die Mehrheit der US-Amerikaner trotz der jüngsten schweren Panne bei einer Hinrichtung für die Todesstrafe aus. Viele Befragte unterstützen Alternativen zur Giftspritze - etwa Erschießungskommandos. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/qualvolle-hinrichtung-in-oklahoma-todesstrafe-in-usa-weiter-gewollt-a-969762.html
... eine der vielen Verlogenheiten des Landes: Das 5. Gebot "Du sollst nicht töten" gilt eigentlich auch gegenüber Menschen, die man meint, als Mörder überführt zu haben. Dazu kommt die Mißachtung des neutestamentlichen Gebotes: "Du sollst nicht Gleiches mit Gleichem vergelten!". Kurz und gut: Heucheln können sie dort besonders gut!
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