Missbrauchsverdacht gegen R&B-Sänger R. Kelly fehlt Geld für Kaution

Gegen eine Kaution von 100.000 Dollar könnte R. Kelly das Gefängnis verlassen, bis jetzt fehlt dem Sänger jedoch das Geld. Ihm wird vorgeworfen, drei Mädchen und eine Frau sexuell missbraucht zu haben.

R. Kelly auf der Polizeistation Freitagnacht
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R. Kelly auf der Polizeistation Freitagnacht


Im Verfahren gegen den amerikanischen R&B-Sänger R. Kelly hat der Richter eine Million Dollar Kaution festgesetzt. Um auf freien Fuß zu gelangen, müsste der 52-Jährige ein Zehntel dieser Summe hinterlegen. Doch dem wegen Missbrauchs angeklagten Sänger fehlen die nötigen Mittel.

"Er hat wirklich kein Geld mehr", sagte sein Anwalt Steve Greenberg. Andere hätten das Eigentum des Sängers schlecht verwaltet. Es sei das reinste Chaos. Dennoch sei Kelly zuversichtlich, die Summe aufzubringen.

Der dreifache Grammy-Gewinner soll zwischen 1998 und 2010 vier Frauen missbraucht haben, drei der mutmaßlichen Opfer waren zum angegebenen Tatzeitpunkt jünger als 17. Insgesamt werden vor Gericht zehn Fälle verhandelt. Kelly hatte sich am Freitag den Behörden in Chicago gestellt. Er streitet alle Vorwürfe ab.

Sein Anwalt Greenberg machte die #MeToo-Bewegung für die Lage des Sängers verantwortlich. "Leider gibt es aktuell diese Hashtag-Bewegung", sagte er. "Nur weil irgendjemand jetzt irgendetwas sagt, ist das noch nicht glaubwürdig." Die Fluchtgefahr seines Mandaten schätzte er als gering ein. "Im Gegensatz zu seinem größten Hit möchte Mister Kelly nicht fliegen."

Sollte Kelly die Kaution bezahlen, muss er verschiedene Auflagen erfüllen. Der Richter ordnete an, dass der Sänger keinen Kontakt zu Frauen aufnehmen darf, die noch nicht 18 Jahre alt sind. Außerdem muss er seinen Pass abgeben. Damit ist eine mögliche Europatournee im April, die Kelly angedeutet hatte, hinfällig.

Um diese vier Fälle geht es

Beim ersten mutmaßlichen Opfer handelt es sich um eine damals 16-Jährige, auf die Kelly 1998 in einem Restaurant aufmerksam geworden sein soll. Innerhalb des folgenden Jahres soll Kelly mehrmals mit ihr Sex gehabt haben.

Die zweite Betroffene soll Kelly 2008 bei einer Gerichtsverhandlung getroffen haben. Die damals 16-Jährige hatte den Sänger der Anklage zufolge um ein Autogramm gebeten. Anschließend soll er das Mädchen in seine Wohnung eingeladen und auch mit ihm mehrere Male Sex gehabt haben.

Beim dritten mutmaßlichen Opfer handelt es sich um eine zum Tatzeitpunkt 24 Jahre alte Frisörin, die Kelly die Haare schneiden wollte. Dieser habe jedoch seine Hose heruntergezogen und sie zum Oralverkehr zwingen wollen, so der Vorwurf.

Außerdem liegt ein Video vor, das Kelly beim Sex mit einer 14-Jährigen zeigen soll. Ein Zeuge übergab es den Behörden und identifizierte das mutmaßliche Opfer.

Für jeden der zehn Missbrauchsfälle könnte Kelly zu bis zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt werden. Da die Strafen aufsummiert werden können, drohen ihm bis zu 70 Jahre Gefängnis. Es ist jedoch auch möglich, dass seine Strafe bei einer Verurteilung zur Bewährung ausgesetzt wird.

Kelly war 2008 schon einmal aufgrund des Verdachts von Kinderpornografie angeklagt. Damals wurden die Vorwürfe gegen ihn fallen gelassen.

irb/AP



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