Missbrauchsverdacht gegen R&B-Sänger R. Kelly plädiert auf nicht schuldig

Mehrere Mädchen und eine junge Frau soll R. Kelly sexuell missbraucht haben. Nun stand der Sänger erstmals wegen dieser Vorwürfe vor Gericht - und ließ ausrichten, zu Unrecht angeklagt zu werden.

R. Kelly (am Freitag bei der Polizei)
AP

R. Kelly (am Freitag bei der Polizei)


Der US-Sänger R. Kelly hat im Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs in zehn Fällen auf nicht schuldig plädiert. Der R&B-Musiker erschien Medienberichten zufolge in Chicago in orangefarbener Häftlingsuniform im Gerichtssaal. Während der Anhörung schwieg der Sänger, an seiner Stelle plädierte sein Anwalt auf unschuldig. Der nächste Gerichtstermin wurde auf den 22. März festgelegt.

Die fraglichen Fälle stammen aus den Jahren 1998 bis 2010 und drehen sich um vier Opfer, von denen drei zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Missbrauchs jünger als 17 Jahre alt waren.

Einige der Anklagepunkte gehen zurück auf ein Video, das Kelly beim Geschlechtsverkehr mit einem 14 Jahre alten Mädchen zeigen soll. Gefunden hatte es Anwalt Michael Avenatti, der zwei von Kellys mutmaßlichen Opfern vertritt. Avenatti erschien Berichten zufolge nun ebenfalls vor Gericht und kündigte auf Twitter an, ein zweites Beweisvideo zur Verfügung zu stellen. Er und sein Team hätten es bei "landesweiten Ermittlungen im Namen der Opfer" gefunden: "Es muss Gerechtigkeit einkehren."

Kelly wurde am Freitag festgenommen und verbrachte das Wochenende in einem Gefängnis in Chicago. Die Kaution wurde auf eine Million Dollar festgesetzt, umgerechnet etwa 880.000 Euro. Kelly müsste ein Zehntel dieser Summe hinterlegen, also 100.000 Dollar.

Über diesen Betrag verfügt der 52-jährige Sänger nach Angaben seines Anwalts Steve Greenberg jedoch nicht. Greenberg sagte zu den Vorwürfen am Samstag, dass Kelly ein "Rockstar" sei und "keinen nicht einvernehmlichen Sex haben muss".

Die ersten Vorwürfe gegen R. Kelly wurden vor 20 Jahren bekannt, verurteilt worden ist der dreifache Grammy-Gewinner bisher nicht. In den vergangenen Wochen gab es mehrere Proteste gegen Konzerte Kellys, auch in Deutschland. Berichten zufolge beendete das zum Konzern Sony Music gehörende Label RCA die Zusammenarbeit mit Kelly.

Sein Anwalt Greenberg machte die #MeToo-Bewegung für die Lage des Sängers verantwortlich. "Leider gibt es aktuell diese Hashtag-Bewegung", sagte er. "Nur weil irgendjemand jetzt irgendetwas sagt, ist das noch nicht glaubwürdig." Die Fluchtgefahr seines Mandaten schätzte er als gering ein. "Im Gegensatz zu seinem größten Hit möchte Mister Kelly nicht fliegen."

Rechtsanwalt Steve Greenberg
AP

Rechtsanwalt Steve Greenberg

Für jeden der zehn Missbrauchsfälle könnte Kelly zu bis zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt werden. Da die Strafen aufsummiert werden können, drohen ihm bis zu 70 Jahre Gefängnis. Es ist jedoch auch möglich, dass seine Strafe bei einer Verurteilung zur Bewährung ausgesetzt wird.

Kelly war 2008 schon einmal aufgrund des Verdachts von Kinderpornografie angeklagt. Damals wurden die Vorwürfe gegen ihn fallen gelassen.

mxw/dpa/AFP

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