Missbrauchsprozess in New York R. Kelly zu 30 Jahren Haft verurteilt

Sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, Entführung und Bestechung: US-Musiker R. Kelly wurde in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Er muss für Jahrzehnte ins Gefängnis.
R. Kelly (2019): Schuldig

R. Kelly (2019): Schuldig

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KAMIL KRZACZYNSKI / REUTERS

Der frühere Pop-Superstar R. Kelly ist in einem Missbrauchsprozess  zu einer Haftstrafe von 30 Jahren verurteilt worden. Das teilte Richterin Ann Donnelly an einem Gericht in New York mit.

Eine Jury hatte den Musiker im vergangenen Jahr nach mehrwöchigem Prozess in allen neun Anklagepunkten – darunter sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung – für schuldig befunden. Kelly, der mit schwarzer Brille, schwarzer Corona-Maske und khakifarbenem Oberteil am Gericht erschien, hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

R. Kelly vor Gericht: Eine Gerichtszeichnung zeigt den Moment der Strafmaßverkündung

R. Kelly vor Gericht: Eine Gerichtszeichnung zeigt den Moment der Strafmaßverkündung

Foto: JANE ROSENBERG / REUTERS

Bevor Richterin Donnelly das Strafmaß verkündete, erzählten sieben Opfer von Kelly nacheinander und teilweise unter Tränen noch einmal ihre Geschichten. Teilweise schauten und sprachen ihn die Frauen dabei direkt an – doch Kelly starrte entweder geradeaus, auf die Notizen vor sich auf dem Tisch, oder unterhielt sich leise mit seinen Verteidigerinnen.

Der Musiker habe einen »Gotteskomplex«, habe »Millionen Menschen manipuliert« und »jämmerliche, unerklärliche« Taten begangen, sagte eine Frau. »Ich bin nicht hier wegen des Geldes und schon gar nicht für Hollywood«, sagte eine andere: »Ich bin hier, weil ich Gerechtigkeit suche.«

DER SPIEGEL

Die Staatsanwaltschaft hatte im Vorfeld mehr als 25 Jahre Haft und eine Geldstrafe zwischen 50.000 und 250.000 Dollar für den »I Believe I Can Fly«-Sänger gefordert, der bereits seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis sitzt. Eine solche Strafe sei unter anderem wegen der Schwere seiner Verbrechen angemessen, außerdem gehe von Kelly nach wie vor eine Gefahr aus, hieß es. Die Anwälte des Musikers hatten eine deutlich geringere Strafe gefordert.

Kelly soll quasi bankrott sein

Vor der Verkündung des Strafmaßes gab es vor Gericht zudem erneut Diskussionen über die Vermögensverhältnisse des Musikers. Während die Staatsanwaltschaft behauptete, dass Kelly Millionen aus Rechteverkäufen zustünden, wies die Verteidigung des Musikers das zurück und gab an, er sei quasi bankrott. »Seine Musik wird nicht mehr gespielt«, sagte Anwältin Jennifer Bonjean: »Wir sehen es an seinen Tantiemen, seit dem Prozess sind die extrem zurückgegangen.«

Das Verfahren ist ein Sieg der #MeToo-Bewegung, die bereits das Urteil gegen Kelly gefeiert hatte. Der Ex-Superstar sei »der Schlimmste« der vielen Sexualstraftäter gewesen, die sie in ihrer Laufbahn verfolgt habe, hatte Frauenrechtsanwältin Gloria Allred, die mehrere Klägerinnen in dem Verfahren vertrat, gesagt. Er habe seine Berühmtheit dazu benutzt, Minderjährige zu missbrauchen, einzuschüchtern und zu demütigen.

Mit der Strafmaßverkündung in New York sind die juristischen Auseinandersetzungen für Kelly noch nicht vorbei: Auch in den US-Bundesstaaten Illinois und Minnesota liegen Anklagen gegen den Musiker vor. Ein Prozess in Chicago soll schon Mitte August beginnen.

ptz/AP/Reuters/dpa
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