Rätselhafter Mord an Millionär Tödliche Schüsse auf "Hühner-Klaus"

Im Nordwesten des Ruhrgebiets war Klaus K. eine angesehene Persönlichkeit. In Haltern besaß er ein Luxushotel, in Datteln einen Gastronomie-Großhandel und mehrere Restaurants. Nun wurde der Millionär vor seiner Villa von Unbekannten ermordet. Handelte es sich um Auftragskiller?

Hamburg - Ein Mord erschüttert die Kleinstadt Datteln nahe Recklinghausen. Millionär Klaus K., im nördlichen Ruhrgebiet eine bekannte Größe, wurde am Samstagabend direkt vor seiner Haustür erschossen. Die Nachbarschaft ist in Sorge, die Polizei bei der Fahndung nach den flüchtigen Tätern im Dauereinsatz.

Klaus K. hatte wie so oft den Tag in seinem Vier-Sterne-Wellnesshotel "Seehof" in Haltern verbracht, auf das er so stolz war. Erst kürzlich erzählte er einem Bekannten freudig, wie er dort Spieler des FC Schalke beherbergt habe. Meist trank der 80-Jährige zum Beginn seines Feierabends ein Bier an der Hotelbar. So auch am Samstag.

In seinem silberfarbenen Mercedes-Coupé fuhr Klaus K. kurz nach 22 Uhr Richtung Datteln, wo er mit seiner Frau lebte. Er lenkte den Wagen die Auffahrt zu seinem Anwesen hinauf, packte seine Sachen und stieg aus dem Auto aus. Klaus K. war nur wenige Schritte von seiner Haustür entfernt, den Schlüssel hielt er bereits in der Hand, als er von hinten erschossen wurde.

Der oder die Täter verschwanden im Dunkeln - ohne etwas zu rauben, zu demolieren oder einen anderen Hinweis auf ein Motiv zu hinterlassen.

"Nach derzeitigem Ermittlungsstand sieht es so aus, als sei es den Tätern nur darum gegangen, ihr Opfer zu töten", sagte ein Polizeisprecher. Ein Auftragsmord?

Aussagen von Angestellten, wonach die Tatumstände an eine Hinrichtung erinnerten, wollte der Polizeisprecher nicht bestätigen. Die Motivlage und die genauen Hintergründe seien im Moment "völlig unklar". Der Fokus der Ermittler liege derzeit auf dem persönlichen Umfeld des Millionärs. Verwandte, Bekannte, Freunde, Angestellte, Geschäftspartner - sie alle würden befragt. "Aus den meisten Vernehmungen ergeben sich neue Anhaltspunkte und eben neue Ansprechpartner, die vernommen werden müssen", so der Polizeisprecher. Eine 20-köpfige Mordkommission ermittle im Fall K.

Hielten Videokameras die Tat fest?

Die Frau des Millionärs hatte verdächtige Geräusche gehört, als ihr Ehemann kurz vor der Villa getötet wurde. Schüsse habe sie laut Polizei keine vernommen. Als sie aus dem Haus getreten sei, habe sie Klaus K. blutüberströmt vor dem Eingang liegen sehen. Um 22.30 Uhr alarmierte sie den Notarzt. Der 80-Jährige war jedoch bei dessen Eintreffen seinen schweren Schussverletzungen erlegen.

Das großzügige Anwesen der Familie K., auf dem sich neben der Reetdach-Villa auch Firmengebäude des Wild-, Geflügel- und Gastronomie-Großhandels befinden, ist teilweise mit Überwachungskameras ausgestattet. Das Videomaterial wird von den Ermittlern ausgewertet. "Aus ermittlungstaktischen Gründen" will die Mordkommission weder sagen, was auf den Bändern zu sehen ist, noch, welche Rückschlüsse daraus zu ziehen sind. Auch darüber, wie lang die Sequenzen sind oder wie viele Schüsse auf Klaus K. insgesamt abgegeben wurden, schweigt sich die Polizei aus.

Gerüchte aus der Nachbarschaft, eine am Haus installierte Überwachungskamera zeige zwei Personen beim Überfall auf den 80-Jährigen, wollte Staatsanwalt Dieter Justinsky nicht kommentieren.

Der Mord an dem bekannten Millionär hatte noch in der Nacht zum Sonntag eine spektakuläre Fahndung mit Hubschrauber, Wärmebildkameras und Hundestaffel ausgelöst. Die Polizei wähnte den oder die Täter in der nahen Umgebung des Tatorts. Knapp hundert Beamte waren im Einsatz und durchkämmten die Gegend weiträumig - doch von dem oder den Tätern fehlt bislang jede Spur.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Klaus K. Tage zuvor ausspioniert wurde

Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung: Hat jemand nicht nur am Tatabend, sondern auch in den Tagen zuvor Auffälligkeiten bemerkt? Der Tatablauf spricht dafür, dass dem Millionär auf seinem Grundstück aufgelauert wurde. "Dazu muss man aber die Örtlichkeiten und die Gewohnheiten des Opfers ausfindig gemacht haben", sagte ein Polizeisprecher.

Enge Freunde nannten Klaus K. bis zuletzt "Hühner-Klaus", eine Reminiszenz an seine Herkunft: Der Mann hatte sich vom kleinen Eier-, Wild- und Geflügelhändler zum größten Fleisch- und Wurstgroßhändler der Region hochgearbeitet. Er war Pächter mehrere Restaurants und Besitzer des Luxushotels "Seehof", das er gemeinsam mit seiner Tochter Elke leitete. Täglich war K. in der Nobelherberge mit knapp 120 Zimmern anzutreffen. Sein Sohn Klaus trat in die Fußstapfen des Vaters und arbeitet als Großhändler.

"Der Klaus war ein großartiger Selfmade-Millionär, der immer geschäftstüchtig und doch bescheiden war", beschreibt ihn ein enger Vertrauter. Außer einer Rolex und seinem CLS habe sich K. keinen Luxus gegönnt. "Für den gab es nie Feierabend. Der war immer im Dienst und hielt sein Geld zusammen."

Klaus K. galt als herzlich und äußerst kommunikativ. "Ein vertrauenswürdiger Typ, immer freundlich und gut gelaunt", sagt ein Bekannter. "Vielleicht hat er durch seinen Großhandel falsche Leute kennengelernt, denen er Geld lieh - aber ein zweites Leben hatte einer wie der Klaus sicher nicht." Der Öffentlichkeit gegenüber zeigte sich K. stets großzügig: Er war Mäzen und Sponsor vieler Ereignisse in der Region: die Seetage in Haltern, der Aufstieg des Frauenfußballvereins in die nächsthöhere Spielklasse - ohne "Hühner-Klaus" kaum machbar.

"Klaus hat sich so sehr über den vierten Stern für sein Hotel 'Seehof' gefreut. Das werde ich nie vergessen", erinnert sich ein Weggefährte. "Für uns und seine Familie wäre es schön, wenn der Mord an ihm aufgeklärt werden würde."

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