Ex-Terroristen Polizei fahndet mit neuen Bildern nach RAF-Rentnern

Seit Jahrzehnten sind die Ex-RAF-Terroristen Staub, Klette und Garweg abgetaucht. Auch nach einer Überfallserie blieben sie verschwunden. Nun bitten Ermittler erneut die Öffentlichkeit um Hilfe.

Burkhard Garweg, Daniela Klette, Ernst-Volker Staub
LKA Niedersachsen

Burkhard Garweg, Daniela Klette, Ernst-Volker Staub


Bei der Suche nach drei früheren Mitgliedern der Roten Armee Fraktion (RAF) haben die zuständigen Ermittler in Niedersachsen weitere Fahndungsfotos veröffentlicht. Die zwei neuen Bilder zeigen die gesuchte Daniela Klette und stammen aus den 1980er Jahren, wie das niedersächsische Landeskriminalamt (LKA) mitteilte.

Die inzwischen 60-jährige Klette und ihre beiden mutmaßlichen Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg werden zur sogenannten dritten Generation der RAF gerechnet. Auf deren Konto gehen unter anderem die Morde an Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Karsten Rohwedder (1991).

Das LKA hat nun Handzettel mit insgesamt neun Fotos der drei drucken lassen. Darüber steht der Satz: "Dies könnten auch Ihre Nachbarn sein!" Ein LKA-Sprecher sagte dem SPIEGEL, es gehe darum, Bürger zu erreichen, "die noch nicht darüber nachgedacht haben, dass in ihrem Umfeld die Gesuchten wohnen könnten".

Seit Wendezeiten abgetaucht

Das Trio ist seit Wendezeiten untergetaucht. In Folge eines Raubüberfalls auf einen Geldtransporter bei Bremen 2015 waren die sogenannten RAF-Rentner wieder in den Blick der Polizei geraten. Damals gab es DNA-Treffer, die auf das Trio wiesen.

Daraufhin entwickelten die Ermittler den Verdacht, das Trio sei von 1999 bis 2016 für eine Serie von Überfällen auf Geldtransporter und Supermärkte verantwortlich. Der Schwerpunkt der Taten liegt in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Möglicherweise leben die drei unter einer falschen Identität im Land.

Nach Staub und Garweg wird bereits seit Längerem auch mit aktuellen Bildern gefahndet, die zum Teil aus Überwachungskameras stammen. Von Klette ist bisher kein Fahndungsfoto vorhanden, das sie in ihrem jetzigen Alter zeigt. Woher die neuen Klette-Bilder stammen, wollten weder das Landeskriminalamt noch die zuständige Staatsanwaltschaft Verden mitteilen.

Das niedersächsische LKA und die Staatsanwaltschaft Verden suchen die Ex-RAFler mit internationalem Haftbefehl. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Trio Geld braucht, um das Leben im Untergrund zu finanzieren.

Die RAF hatte vor allem in den 1970er und 1980er Jahren die Bundesrepublik terrorisiert. 1998 erklärte sie sich für aufgelöst. Insgesamt gehen 34 Morde auf ihr Konto. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sie noch aktiv ist. Für Hinweise auf die drei Gesuchten sind Belohnungen in Höhe von 80.000 Euro ausgesetzt.

sms/dpa/AFP



insgesamt 36 Beiträge
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The Restless 05.06.2019
1. Möglicherweise unter falscher Identität?
Kaum vorstellbar, dass sie ihre Originalnamen verwenden, daher würde ich annehmen: Mit Sicherheit unter falscher Identität. Bin gespannt, wie viele Menschen jetzt von ihren Nachbarn zu Unrecht verdächtigt werden.
BoMbY 05.06.2019
2. DNA-Spuren sind leider auch nicht mehr was sie waren.
In den letzten Jahren gab es so oft Verunreinigungen bei den Untersuchungen, dass man das kaum noch ernst nehmen kann. Und alles aus der RAF-Zeit, was man denen konkret zur Last legt, dürfte mittlerweile verjährt sein.
jonath2010 05.06.2019
3. Keine Gnade
Die ungebrochene Suche nach den RAF-Mördern ist man den Familien von Herrhausen und Rohwedder schuldig – aber auch gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, die sich ihr Leben lang bemühen, die Regeln des Rechtsstaats zu befolgen. Ich weiß, dass im linken Spektrum der eine oder andere die Meinung vertritt, dass der Rechtsstaat "nach so vielen Jahren" Großmut zeigen und die Fälle endgültig zu den Akten nehmen sollte. Aber Mord verjährt nicht. Und daher keine Gnade für die RAF-Rentner. So wenig wie für 94-jährige alte Männer, die im KZ Auschwitz vielleicht nur in der Küche Kartoffeln schälten.
KingTut 05.06.2019
4. Mysterium
Den Ermittlern wünsche ich viel Glück und Erfolg bei ihrer wichtigen Arbeit, diese mutmaßlichen Straftäter zu fassen. Jeder, der für die schrecklichen Morde aus der RAF-Zeit verantwortlich ist, muss zur Rechenschaft gezogen werden. Ich glaube auch, dass sie unter falschen Identitäten leben und da sie ja vermutlich in Raubüberfälle verwickelt waren, stellen sie immer noch eine latente Gefahr dar, unabhängig von dem Strafanspruch des Staates. Ich hoffe, wir werden einmal die Hintergründe erfahren, wie sie sich so lange verstecken und weitere Verbrechen begehen konnten, um erneut der Polizei durch die Finger zu schlüpfen. Es ist ein Mysterium. Natürlich besteht bei Fahndungen immer die Gefahr, dass Unschuldige ins Visier der Polizei geraten. Aber das muss in Kauf genommen werden, denn das Missverständnis sollte sich schnell aufklären. Wegen solcher Verwechslungsgefahren nicht zu fahnden wäre im Interesse der Allgemeinheit nicht zu vertreten.
geotie1 05.06.2019
5.
Zitat von The RestlessKaum vorstellbar, dass sie ihre Originalnamen verwenden, daher würde ich annehmen: Mit Sicherheit unter falscher Identität. Bin gespannt, wie viele Menschen jetzt von ihren Nachbarn zu Unrecht verdächtigt werden.
Wenn Sie eine Idee haben, wie man solche Fehlerquoten ausschließen kann, dann nix wie hin zur Kripo! Ich wurde auch schon mal beschuldigt, mal etwas gestohlen zu haben. Angeblich hätte ich auf dem Fahrrad eine Kiste gehabt. Nur gefunden wurde in dem Gebüsch, wo ich die hineingeworfen habe, nichts. Glauben wollten die mir trotzdem nicht, auch der Hinweis, dass ich gerade von der Arbeit kommen, wollte nicht so recht ziehen. Obwohl, ein Anruf hätte gereicht und entschuldigt haben die sich auch nicht. Aber schlimmer war es in Österreich. Da war ich mit dem Fahrrad auf einer zweiwöchigen Tour. Plötzlich hielt ein Auto an und bezichtigte mich der Landstreicherei und haste nicht gesehen. Ich kann dem, was ich gerade auf Twitter gesehen habe, wo dem Mann der Kopf unter dem Wagen gehalten wurde und der Wagen anfuhr und erst im letzten Moment weggezogen wurde, ansatzweise nachvollziehen. Das ist Folter! Da kommt keine falsche Beschuldigung mit!
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